Die vermeintlichen Spitzenspiele im Afrika-Cup

Gestern gab es Großspieltag im AfrikaCup mit Nigeria – Tunesien und Kamerun – Elfenbeinküste. Das waren vier der vielleicht derzeit sechs besten afrikanischen Mannschaften.

Beide Spiele wurden erst spät, spät im Elfemterschießen entschieden. Im Falle von Nigeria – Tunesien mit dem, glaube ich, 9ten Torschützen der Nigerianer, im Falle von Kamerun – Elfenbeinküste nach dem 12ten Torschützen, als ausgerechnet Drogba und Eto’o zum zweiten Mal antreten mussten und Eto’o versiebte.

Nigeria war die bemühtere Mannschaft und angesichts des jungen Durchschnittsalters (kaum einer älter als 22 Jahre) steht da eine spannende Entwicklung an, zumal Nigeria als einziger der vier auch mit einem einheimischen Trainer arbeiten: Austin Eguavoen. Nigeria ist zwar spielstark gewesen, hat aber keinen Zug zum Tor entwickelt. Nur sehr wenig Strafraumaktionen, die Stürmer agierten eher vor dem Strafraum oder kamen von außen rein.

Tunesien war für meinen Geschmack sehr passiv. Man hat ein sehr gefälliges Mittelfeld gehabt, stand hinten recht sicher, aber nach vorne ging nur wenig

Die Partie war aber immerhin noch einen Stich unterhaltsamer, als das völlig enttäuschende Kamerun – Elfenbeinküste am frühen Abend. Die Elfenbeinküste wird nun gerne von meiner “Geheimfavoritenliste” für die WM gestrichen, trotz eines Weiterkommens nun ins Halbfinale.

Die Elfenbeinküste hatte nichts mehr von ihrem einstigen Spielwitz und wahnsinnigen Drive zum Tor hin. Stattdessen ist nun ein einfältiger Spielaufbau zu beobachten, bei dem der Angriff meistens straight nach vorne geht, ohne Variationen im Spieltempo oder Querpässe. Der Ball wird über rechts nach vorne getragen, der Ball wird rechts verloren etc… Die Spielanteile der Elfenbeinküste in der ersten Halbzeit betrugen aufgrund der schnellen Ballverluste zirka 40:60.

Mit mehr Spielintelligenz ging Kamerun ans Werk. Aber die Abwehr ist wackelig und nach vorne fand man kein Gegenmittel gegen die teilweise kompakt stehenden Leute aus der Elfenbeinküste. Ratlos schob man sich minutenlang den Ball vor dem Strafraum hin und her um sich dann mit einem Fernschuß zu versuchen.

Die Standard-Situationen mit beiden Mannschaften waren sehr sehr grenzwertig.

Das war nun die Creme de la Creme Afrikas und die meisten WM-Teilnehmer sind noch früher ausgeschieden. Das lässt nix Gutes für die WM ahnen.

Am Dienstag nun die Halbfinals: Nigeria – Elfenbeinküste (14h) und Senegal – Ägypten (18h)

Reaktionen

  1. Wo kann man Kommentare eingeben?

    Nach elf Jahren habe ich die Kommentare im Blog mangels Zeit für Kommentarverwaltung geschlossen. Es kann noch kommentiert werden. Es ist aber etwas umständlicher geworden.

    1. Das Kommentarblog http://allesausseraas.de/, aufgezogen von den Lesern @sternburgexport und @jimmi2times
    2. Sogenannte „Webmentions“ mit einem eigenen Blog. Siehe IndieWebCamp
  2. Äh, ich muss da mal kurz rumpingeln:

    Es heißt nicht “vermeidlich”, sondern “vermeintlich”, wenn damit soviel wie “vorgeblich” oder “nur der Behauptung nach” gemeint ist (http://odge.de/deutsch-englisch/vermeintlich.html).

    Das Wort “vermeidlich” gibt’s im Deutschen nicht wirklich, jedenfalls würde es höchstens so viel wie “vermeidbar” bedeuten (http://odge.de/deutsch-englisch/vermeidlich.html).

    Viele Grüße, schon wieder zurück am Kochtopf, SurfGuard

  3. Ihr Wunsch ist mir Befehl :-)

  4. Da muss ich als Sprachwissenschaftler (ok, Nebenfach) mitpingeln: Den semantischen Einwand lass ich gelten.
    Aber das es ein Wort nicht gibt, heißt im Deutschen gar nix. Das Schöne am Deutschen ist ja gerade seine Fähigkeit, permanent neue Wörter bilden zu können.

  5. Wenn die Elfenbeinküste bei der WM so weiterspielt wie bis jetzt kann man sich die Ergebnisse gegen Argentinien und Holland jetzt schon vorstellen. ;)