Melbo(u)ring

Ich habe es nach der Quali befürchtet, und so ist es gekommen: der Saisonauftrakt der Formel 1 in Melbourne war sensationell… langweilig.

Es zeigte sich, dass nahezu alle im Qualifying konserativ gefahren sind, und daher die Startreihenfolge fast identisch mit dem Zieleinlauf war. Nahezu alle sind gleichzeitig zum Tanken gekommen, mit Ausnahme des einzigen übrig gebliebenen McLaren von Coulthard, der auf zwei Stopps ging. Aber rechnet man die ausgefallenen Fahrzeuge raus, hat Coulthard mit dieser Strategie exakt null Plätze gewonnen…

Die Enttäuschungen lassen sich recht klar benennen, und da wäre in erster Linie McLaren-Mercedes zu benennen. Gab es vor dem Auftakt noch Unsicherheit ob die Probleme der letzten Tests Bluff oder Realität sind, ist man nun schlauer.

McLaren fuhr im Laufe des ganzen Rennwochenendes die wenigsten Runden, pegelte den Motor recht stark runter, hatte nie die Performance um oben mithalten zu können und sorgte für den ersten technischen Ausfall des Rennens.

Das lange Gesicht von Räikkönnen und seine ungewohnte Geschwätzigkeit lassen ahnen, dass die Probleme tiefgreifender Natur sind, die vermutlich sich nicht auch eben mal schnellk bis Malaysia beheben lassen. Größere Änderungen können die Teams erst nach Ankunft in Europa wieder durchführen, womit McLaren dann die ersten drei Rennen quasi kampflos aufgibt.

Das zweite enttäuschende Team des Rennens, ist für mich Toyota, die im Rennen einzig einen Jordan hinter sich halten konnten. Man ist Lichtjahre von Teams wie Jaguar oder BAR oder Sauber entfernt gewesen. Erste Ursachen sieht man am fehlenden Grip, was möglicherweise auf das Chassis zurückzuführen ist.

Auch die mit gewaltigen Vorschußlorbeeren gestarteten BMW-Williams stellten zumindest an diesem Wochenende ein Flop dar. Einen Teil kann man auf die kühlen Temperaturen und Michelin-Gummis zurückführen, womit dann in den nächsten zwei Rennen in Malaysia und Bahrain mit einem besseren Auftreten gerechnet werden kann.

Aber die Resultate zeigen, dass Renault möglicherweise vorbeigezogen ist und BAR auf Schlagweite herangekommen ist.

Da sind dann auch beide Piloten gefragt. Montoya verbaselkte einen besseren Platz durch Fahrfehler sowie zwei Patzern seines Teams beim Reifenwechsel. Aber selbst dass, hätte vermutlich nicht gereicht um Alonso zu halten!

Fragwürdig auch die Leistung von Ralf Schumacher. Wenn man seine Zeiten während des Rennens im Zeitenmonitor von Formula1.com betrachtete, so fiel auf, dass er im Rennen bei freier Fahrt zu wenig pushte, teilweise zwei Sekunden langsamer als Alonso fuhr.

Womit wir bei den positiven Überraschungen wären. Die Eindrücke aus dem Training und Qualifying verfestigten sich: BAR und Renault sind zu Mitspielern um die Plätze im Team-Championat geworden.

Wobei auffiel, dass Trulli, aus was für Gründen, hinterherhinkte (beim Rennen sollen es Probleme am Diffusor gewesen sein), schon das ganze Wochenende, und Button im 1:1-Duell keinen Mann hinter sich halten konnte.

Beängstigend der gute Start beider Renaults. Es gab Spekulationen wie das Regelwerk “halbautomatische” Startautomatik zulassen würden. Möglicherweise hat Renault und der trickreiche Model-Stecher Briatore eine Lücke gefunden. Man erinnere sich an den Briatore zu Schumachers Beneton-Zeiten…

Ach ja, dann gab es Ferrari. Nimmt man den Wunsch nach einer spannenden, umkämpften Saison als Maßstab, dann ist die Art und Weise wie Ferrari das ganze Wochenende dominierte, eine herbe Enttäuschung die Erinnerungen an schlimmste Saison2002-Zeiten aufkommen lassen.

Das war eine Demontage, eine schallende Ohrfeige, made by Ferrari.

So konservativ die Änderungen am F2004 ausgefallen sein mag, so rätselhaft der Anteil der Bridgestone-Reifen sein mag, unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass man die Runden eine Sekunde schneller als im Vorjahr gefahren ist, und das gesamte Rennen, trotz Bummelzugtempo in der Schlußphase, zehn Minuten schneller absolvierte. Die schnellste Runde war drei Sekunden schneller als 2003.

Wenn den Ferraris nicht beizeiten die Motoren um die Ohren fliegen, ist die Entscheidung um den Weltmeistertitel bereits gefallen. Und für alle für die Motorensport mehr ist, als Ende Oktober eine WM-Kappe beim “Kamps” zu kaufen, beginnen sieben lange Monate der Einöde.

Reaktionen

  1. Wo kann man Kommentare eingeben?

    Nach elf Jahren habe ich die Kommentare im Blog mangels Zeit für Kommentarverwaltung geschlossen. Es kann noch kommentiert werden. Es ist aber etwas umständlicher geworden.

    1. Das Kommentarblog http://allesausseraas.de/, aufgezogen von den Lesern @sternburgexport und @jimmi2times
    2. Sogenannte „Webmentions“ mit einem eigenen Blog. Siehe IndieWebCamp