College Football 2009

Eine Vorschau für die College Football-Saison ist schwer zu schreiben, denn durch das komplexe System aus 11 Conferences in der obersten Stufe des College Sport-Verbandes NCAA und knapp 30 Bowl-Spielen (Endspielen) kommt man leicht vom Hunderstel ins Tausendstel und schreibt dann fünf Tage an einer Preview. Oder man macht es wie die NY Times und startet seine Vorschau auf die 120 beteiligten Teams bereits in der ersten Mai-Woche mit den Western Kentucky Hilltoppers ganz unten.

Man sollte es mit jedem College Sport-Eintrag für neue Leser nochmals schreiben: der US-College Sport ist nicht der Hochschulsport den man hier in Deutschland kennt, sondern nach allen Kennzahlen inzwischen ein hartes Sportbusiness unter dem Deckmantel der Hochschulausbildung. Wir reden von Universitäten die für das Sportprogramm ein jährliches Budget in der Größenordnung von hohen zweistelligen Millionen Summen haben. Wir reden beim College Football von Einschaltquoten die es in den USA hinter der NFL zu der zweitmeistgesehensten Sportveranstaltung macht. Wir reden von ausverkauften College Football-Stadien mit Fassungsvermögen von teilweise jenseits 100.000. In den einzigen fünf Stadien in den USA mit mehr als 100.000 Zuschauer Fassungsvermögen spielt nicht die NFL, sondern College Football (Penn State Nittany Lions, Michigan Wolverines, Ohio State Buckeyes, Texas Longhorns, Tennessee Volunteers). Das erste NFL-Stadion taucht auf Platz 11 auf.

Eine der Faszinationen des College Footballs ist der Fanatismus mit dem er betrieben wird. Die Empathie mit Profiteams wechselt, aber was seine Alma Mater gewesen ist, das nimmt man sein ganzes Leben mit. Mit 120 Mannschaften quer in den USA, ist die Abdeckung besonders im Bible Belt und westlich des Mississippi eine andere als beim Profisport. Nur sechs Bundesstaaten haben keine Mannschaft in der NCAA Football Bowl Subdivision: Montana, North- und South Dakota sowie drei kleine Staaten in Neuengland: Maine, New Hampshire und Vermont.

College Football (und dann später in der Saison College Basketball) bewegt das Land. Das ganze Land.

Das Prozedere

120 Mannschaften in 11 Conferences. Jedes Team absolviert in der regular season zirka 12, 13 Spiele. Nicht nur, aber zu einem großen Teil gegen Mannschaften aus der eigenen Conference. Bewertet werden die Mannschaften zum einen nach der Platzierung in ihren Conferences (aus denen sich dann Conference-Endspiele und Conference-Titel ergeben) und nach verschiedenen Rankings. Diese Rankings/Polls werden von den Medien mit Hilfe von Journalisten oder Coaches gemacht. Woche für Woche wird nach der Reihenfolge der Teams gefragt. In ihrer Bedeutung ragen zwei Polls heraus: die AP Top 25 und die USA Today Top 25. Ein Haufen von diesen Polls wird in einen Computer geschmissen, gewichtet und es kommt ein BCS-Ranking heraus.

Die Mannschaften werden im Dezember und Januar für ihre absolvierte Saison durch Einladungen in Endspielen, den Bowl-Spielen gewürdigt. Dabei gibt es ein komplexes Netz aus Verträgen und Abmachungen welche Bowl aus welchen Conferences welche Teams einladen soll/darf. Die fünf wichtigsten Bowls haben sich zur Bowl Championship Series zusammengetan und tragen zusätzlich zu den fünf Bowls das inoffizielle Endspiel um die College Meisterschaft aus, in der die #1 gegen die #2 aus dem BCS-Ranking aufeinandertreffen. Der Sieger wird per freiwilliger Abmachung von den verschiedenen Polls dann zum Saisonabschluss auf die Nummer 1 gesetzt (AP hat sich schon einmal dieser Abmachung entzogen).

Jedes Team spielt daher nicht nur für einen Sieg und einem guten Tabellenstand in der eigenen Conference, sondern auch für einen überzeugenden Sieg um die Entscheider in den Polls zu beeindrucken und durch eine gute Platzierung dort, in einer der prestigeträchtigen Bowls reinzukommen (= Geld).

Den Moralischen bekommen

11 Conferences, 120 Teams. Es fällt in der Regel schwer ein gemeinsames Grundthema zu finden. Diese Saison hat aber so ein Thema da. Verschiedene Vorfälle im College Football und College Basketball lassen die Frage stellen, ob die Professionalität nicht schon überzogen wird. Das kann man grob an zwei Dingen festmachen: sind vereinzelt Spieler und Trainer nicht schon zu sehr Stars geworden? Suchen Trainer und Colleges zu sehr den Erfolg um jeden Preis?

Our purpose is to govern competition in a fair, safe, equitable and sportsmanlike manner, and to integrate intercollegiate athletics into higher education so that the educational experience of the student-athlete is paramount […]

The collegiate model of athletics in which students participate as an avocation, balancing their academic, social and athletics experiences.

The highest levels of integrity and sportsmanship.

The pursuit of excellence in both academics and athletics.

aus: Our Mission, ncaa.org

Es gab immer wieder vereinzelt Skandale, aber in den letzten Monaten hat sich die Zahl der Verfehlungen im College-Bereich erhöht oder die Medien sind sensibler geworden.

Dabei geht es um Klausurfragen, deren Lösungen Athleten frei Haus mitgegeben werden (Basketball-Coach Calipari in Memphis, Football-Coach Bobby Bowden bei Florida State), um Trainer die nach außen Demut und Moral predigen und hinter den Kulissen dem Seitensprung Geld für eine Abtreibung geben und Schläge androhen (Basketball-Coach Pitino in Louisville) oder um maßloses Training das sämtliche Vorschriften der NCAA bricht (Football-Coach Rodriguez in Michigan).

Die Amerikaner lieben den College Sport, aber ich habe das Gefühl dass dem College Sport das gleiche widerfährt wie der MLB: Tropfen für Tropfen wird das moralische Fundament derart ausgehöhlt, das es nur eine Frage der Zeit erscheint, bis Politiker und Medien anfangen die NCAA vor sich her zu treiben um eine Säuberung des Sportes zu betreiben.

Natürlich hinkt die Verdammung des Dopings in der MLB nach europäischen Maßstäben noch hinterher, aber die Haltung zu den Cheatern wie Barry Bonds, A-Rod oder Manny Ramirez ist eine andere als die Laissez-Faire-Haltung mit der ein Mark McGwire vor zehn Jahren noch die Bälle aus dem Stadion prügeln konnte.

Aber wenn der Aspekt “es geht um unsere Kinder” stärker in den Vordergrund gerückt wird, werden etliche Universitäten und Colleges in Probleme kommen.

Moral 2009

Der letzte Skandal rauschte Ende August durch die Schlagzeilen, als ein Journalist der Detroit Free Press die Praktiken des Coaches des Football-Programmes der Michigan Wolverines Rich Rodriguez aufdeckte. Die Regeln der NCAA sehen eine maximale Zahl an Trainingsstunden zu bestimmten Jahreszeiten vor und andere Trainingseinheiten zu bestimmten Jahreszeiten als freiwillig vor. Rodriguez und sein Assistentenstab sollen massiv gegen diese Regeln verstoßen haben.

Wieviel hinter diesen Vorwürfen steckt, ist noch nicht ganz klar. Es gibt Spekulationen dass es dabei mehr um persönliche Rache des Kolumnisten Michael Rosenberg gegen Rodriguez geht. Im worst-case wird es eine Abstrafung des Colleges geben. Es könnte Siege und Stipendien aberkannt bekommen und Rich Rodriguez könnte gesperrt werden.

Die üblichen Verdächtigen

Mitte August, also 2-3 Wochen vor dem ersten Spieltag, kommen die Preseason-Polls heraus. Die Polls basieren auf kein einzigen Spiel – es gibt keine Vorbereitungsspiele im College Football – sondern auf die mutmaßliche Stärke des Kaders und Eindrücken des vorigen Saisonabschlusses und dem Training der vorigen Monate.

Schaut man sich die Top 10 an, so fanden 8 der Teams sich auch letzte Saison in den Top 25 in der Preseason wieder. Wirklich neu sind diese Saison #8 Ole Miss und #10 Oklahoma State reingekommen. Beim Rest handelt es sich um die üblichen Verdächtigen.

Diese Verdächtige fallen durch herausragende QBs auf, die sie bereits seit 2-3 Jahren als Starter im Team haben. Die Florida Gators versuchen den dritten Titel binnen vier Jahren zu holen, dank des am meisten gehypten Spielers im College Football QB Tim Tebow. Dahinter folgen in der AP Poll die Texas Longhorns bei denen in der Offense viele Puzzleteile zusammengeblieben sind, inkl. QB Colt McCoy. Für die Oklahoma Sooners steht hinter dem Center der letztjährige Heisman Trophy-Gewinner Sam Bradford, der den MVP-Titel erst als zweiter Sophomore (also im zweiten Uni-Jahr) geholt hat.

Immer wieder gern genannt: USC aus Los Angeles. Ihrem Trainer Pete Caroll werden in Sachen Recruiting und Beibringen einer “richtigen” Offense nachgesagt. Alabama hat sich unter Headcoach Nick Saban eine furztrockene Defense angelacht.

Die Conferences

In der ersten Liga des College Footballs gibt es eine drei Klassengesellschaft unter den 11 Conferences. Sechs Conferences haben sich zur BCS – Bowl Championship Series zusammengefunden und schieben sich große Teilen der Plätze in den attraktiven fünf BCS-Bowls untereinander zu.

Die anderen sieben Conferences brauchen schon ein ungewöhnlich gutes Ranking in den Polls um in einen der besseren Bowls zu spielen. Aber die Kleinen emanzipieren sich langsam. Der völlig überraschende Sieg von Boise State aus der kleinen Western Athletic Conference im Fiesta Bowl 2007 gegen die Football-Großmacht Oklahoma 43:42 in Overtime, hat den Druck auf die großen Conferences erhöht, sich in Bowl-Spielen auch den Meistern aus kleinen Conferences zu stellen und es hat die Bereitschaft von Trainern und Journalisten erhöht, diese Teams bei entsprechenden Leistungen auch hoch in den Polls zu positionieren, statt dem grundsätzlichen Mißtrauen nachzugeben, dass diese Dorfteams nix können.

Worunter die kleinen Conferences aber häufig leiden, ist die geringe Leistungsdichte. Angehende Meister können sich nur dann profilieren, wenn sie es schaffen in ihrem Spielplan auch Spiele gegen große Gegner aus anderen Conferences einzubauen. Diese Zusammenstellung des Spielplans außerhalb der eigenen Conference ist aber in der Regel Verhandlungssache und bedarf Zeit, Geld und Rückhalt durch Fernsehpartner. Zu den sechs großen BCS-Conferences:

ACC – Atlantic Coast Conference

Innerhalb der großen sechs Conferences fallen zwei Conferences auf, die seit langem kein landesweit dominierendes Team produzieren konnten. Neben der Big East handelt es sich dabei um die ACC mit ihren Teams von der Atlantikküste.

Die ACC geht 2009 mit drei Anwärtern für den Conference Titel an den Start. Florida State in der Atlantic Division und Virginia Tech und Georgia Tech aus der Coastal Division.

Ein Schatten fällt dabei über Florida State, dessen Headcoach Bobby Bowden, 80 jahre alt und seit 34 Jahren Headcoach bei FSU, auch in einem academic cheating scandal verwickelt ist, der ihm einige Siege aus 2006 und/oder 2007 kosten könnte.

Virginia Tech zeichnet in dieser Saison ein harter Spielplan aus. Der Kader war eigentlich sehr gut, aber im Sommer verletzte sich ihr bester Running Back RB Darren Evans. Er fällt mit Kreuzbandriss für die komplette Saison aus.

Es spricht für Headcoach Paul Johnson dass er binnen eines Jahres die darniederliegenden Georgia Tech Yellow Jackets wieder in Schlagweite des ACC-Titels bringen konnte. Johnson hat bei Amtsantritt 2008 eine komplett neue Offense installiert – seine schon bei Navy gefürchtete Triple Option Flexbone-Offense. Im Prinzip nimmt ein laufstarker QB (hier: QB Josh Nesbitt) den Ball auf und entscheidet sich anhand des sich entwickelnden Spielzuges ASAP für eine von drei Optionen, zwei davon sind im Backfield aufgestellt sind. Bemerkenswert: Paul Johnson kann dieses Jahr mit 17 von 22 Startern weiterspielen. Die Zahl liegt normalerweise bei 11-14 Spielern.

Die tranditionsreichen Clemson Tigers sind mit ihrer ersten vollen Saison unter dem jungen Headcoach Dabo Swinney noch im Umbruch. Boston College musste im Sommer umstellen, nachdem der eigentlich als Starter vorgesehene QB Davis wegen akademischer Probleme suspendiert wurde. Die Maryland Terrapins bereiten sich langsam auf eine Zeit nach Headcoach Ralph Friedgen vor. Der Termin seines Abschieds steht noch nicht fest, aber sein Nachfolger: OffCoord James Franklin wird irgendwann der erste schwarze Headcoach der Terrapins.

Die Partie der NC State Wolfpack gegen South Carolina (3:7) zeigte eine offensivschwache und fehlerträchtige Offense die anscheinend auch vom zurückkehrenden RB Toney Baker nicht durchgeschleppt werden kann. Hauptproblem für die Wake Forest Demon Deacons sollte die Defense sein, aus der nur vier Starter aus dem Vorjahr zurückgekehrt sind.

Headcoach Butch Davis (Ex-Browns) hat mit den North Carolina Tar Heels eine schwere Saison vor sich, da ihm quasi alle Wide Receiver von Bord gegangen sind. 81% aller Receiving-Yards sind diese Saison nicht wieder zurückgekehrt. Die Virginia Cavaliers gehen zwar auch nach 9 Jahren wieder mit Al Groh als Headcoach in die Spielzeit, aber der neue OffCoordinator Gregg Brandon soll der Offense ein komplett neues Gesicht geben: schnelle, kurze Spielzüge, Florida-like.

Trotz der vielen Kappen die man einst vorallem im Hamburg Blue Devils-Umfeld sah, ist Duke vorallem eine Basketball-Uni und als Football-Programm eine kleine Nummer. Dies wird aber als eine der besten Kader für Duke seit langem eingeschätzt.

Big 12

Neben der SEC ist die Big 12 und dabei vorallem die South Division in Sachen Leistungsdichte das härteste im College Football. Gerade in der Big 12 South hat sich der dort gespielte Football dank exzellenter QBs inzwischen zu einem Pass-Spektakel mit Basketball-ähnlichen Ergebnissen entwickelt.

Für den Titel im Norden werden Kansas, Missouri und Nebraska hoch eingestuft. Im Süden wird ein Duell zwischen Texas und Oklahoma erwartet.

Bei den Colorado Buffaloes geht das QB-Duell zwischen Tyler Hansen – gehandicapt durch Daumenbruch im Sommer – und dem Headcoach-Sohn Cody Hawkins weiter. Neuer Headcoach und neuer OffenseCoordinator für die Iowa State Cyclones lassen eine schwache Saison erwarten, nachdem sie sich vom vorigen Headcoach Gene Chizik und seinen plötzlichen Abgang nach Auburn verarscht fühlen. Daher setzt man nun auf einen besonders erdigen Kumpeltypen als Headcoach: Paul Rhoads – aus Auburn gekommen.

Es ist nicht ganz sicher was von den Kansas Jayhawks zu halten ist. Das Team ist passlastig, musste aber gerade in der OL und im Receiver-Corps einige Positionen ersetzen. Mal sehen ob QB Todd Reesing weiterhin College-Rekorde schreiben kann. Die Kollegen der Kansas State Wildcats treten wieder mit Headcoach Bill Snyder an, der nach drei Jahren in Rente das Elend mit Ron Prince nicht ansehen konnte und Prince im letzten November wegputschte. Die Geschichte mit Prince gärt weiter, denn es gab einige bizarre, geheime Klauseln über die nun vor Gericht gestritten wird. Sportlich kommt erschwerend hinzu, dass man mit den Abgängen von QB Josh Freeman und den WRs Murphy und Pierce eine komplett neue Pass-Offense erfinden muss. Als wäre dies nicht verheerend genug, verabschiedet sich mitten in der Vorbereitung der neue OffCoord Andy Ludwig um an die Westküste zurückzukehren.

Die Missouri Tigers müssen den Weggang von QB Chase Daniels verkraften (der übrigens heute von den Washington Redskins gecuttet wurde), stehen aber in der Defense sehr proper da. Die Situation der Nebraska Cornhuskers ähnelt der bei Kansas State: ein starker Headcoach als Vaterfigur, kann im Ruhestand sein Team nicht komplett loslassen. Tom Osbourne schaffte es seinen Nachfolger Bill Callahan abzusägen (was dieser aber mit schwachen sportlichen Erfolgen auch von alleine getan hätte) und holte mit Bo Pellini einen Nachfolger von seinen Gnaden. Pellini hat es letzte Saison geschafft das Team zu stabilisieren. Ob der nächste Sprung, zum Titel im Norden, gepackt werden kann, hängt auch davon ab, wie gut die Lücke um QB Ganz gefüllt werden kann.

Wie weiter oben erwähnt, fällt der Name Oklahoma Sooners auch wenn es um den landesweiten Titel geht. Gleichzeitig hängt den Sooners in der Ära Bob Stoops das Images eines Verlierers an, da man die Meisterschaftsspiele oder Bowls “immer” verliert. Immerhin profitiert man davon, das QB Sam Bradford den Lockrufen aus der NFL widerstand. Die Oklahoma State Cowboys kompensieren seit Jahren ihre schwache Defense mit einem Punktefestival der Offense. Sie haben zwei potentielle Heisman Trophy-Kandidaten: RB Kendall Hunter, der sehr viel Yards pro Lauf schafft und WR Dez Bryant, einer der besten die derzeit in der NCAA herumlaufen.

Noch so ein Meisterschaftsfavorit: die Texas Longhorns mit QB Colt McCoy. Recht hohe Completion% für McCoy, aber ihm fehlt das letzte Quentchen Reife um in der NFL zum Top-Pick zu werden. Die Texas A&M Aggies gehen in die zweite Saison mit Mike Sherman. Das letzte Jahr entpuppte sich mit 4-8 (2-6) als heftiger Flop und es spricht nicht viel dafür, dass es diese Saison besser wird. Bei den Texas Tech Red Raiders gärt es weiter an einer entscheidenen Schnittstelle: zwischen Athletic Director Gerald Myers und Headcoach Mike Leach. Fast das komplette Jahr 2008 lang, sollen beide kein Wort miteinander gewechselt, haben, obwohl Vertragsverlängerungen mit Leach anstanden. Das Elend verspricht mit der Vertragsverlängerung mit Leach durch dem Cancellor bis Ende 2013 weiterzugehen.

Big East

Bei der Big East grummeln viele, dass sie qualitativ so schwach ist, dass sie eigentlich ihren Platz in den BCS-Bowls abgeben sollte. Dabei sind recht klanghafte Namen dabei und die Leistungsdichte ist auch vorhanden: liest man sich die Meisterschaftstipps durch, werden nicht weniger als fünf der acht Teams genannt.

Die Connecticut Huskies sind eines jener Teams, bei denen die Erwartungen größer als das Potential ist. Der neue OffCoord Joe Moorhead, aus Akron gekommen, bringt eine neue No Huddle-Offense mit und soll einen der landesweit schwächsten Passangriffe wieder beleben. Die Cincinnati Bearcats mit ihrer QB-Rotation, gehörten zu den Überraschungen der letzten Saison. Sie legten im ersten Jahr von Headcoach Brian Kelly eine 11-3-Saison hin und kamen berechtigt in den Orange Bowl. Es wird aber ein furchtbar schwere Saison. Nur neun von 22 Startern kehren zurück. Aus der Defense gar nur einer. Dazu kommt ein neuer DefCoordinator, Bob Diaco, nachdem Vorgänger Joe Tresey wegen “Differenzen in der Spielphilosophie” zurücktrat.

Auch die Rutgers Scarlet Knights werden als Titelkandidat gehandelt. Die letzte Saison stand im Schatten von medial ausgetragenen Untersuchungen über das Finanzgebahren des Footballprogrammes, schwarzer Kassen rund um Headcoach Greg Schiano und einem höchstumstrittenen, sehr teuren Ausbau des Stadions. Schiano blieb unangetastet, Athletic Director Mulcahy wurde geopfert. Ansonsten sind die Veränderungen nur minimal. Glanzstück von Rutgers ist ihre Offense Line, die unverändert zurückkehr. Bei den Coaches hat Schiano beide Coordinator-Jobs in Personalunion zwischen je zwei Assistenten aufgeteilt.

Wesentlich anders sieht die Situation bei den Pittsburgh Panthers aus , wo man das komplette, gute Laufspiel, seine zwei besten Linebackers und den Offense Coordinator ersetzen muss, nachdem Matt Canaugh zu den NY Jets abgegangen ist. Eine der Überraschungen im letzten Jahr waren die South Florida Bulls. 13 Jahre nach Gründung des Football-Programms haben sie sich in der NCAA FBS etabliert. Die Aufgabe in dieser Saison: trotz komplett neuer OL und zwei neuen Coordinators wieder eine 8-5-Saison hinlegen. Die mit Pittsburgh herzhaft verfeindeten West Virginia Mountaineers (“Backyard Brawl”) werden sich in der Offense nach dem Abgang von QB Pat White umstellen müssen. White war ein Guter und White war einmalig mit sein läuferischen Leistung die seinen Pass-Qualitäten nicht nachstanden. Dazu kehren nur zwei der fünf Starter der OL zurück.

Für die meiste Aufmerksamkeit bei den Syracuse Orange sorgte im Sommer Greg Paulus, der zudem vor zwei Wochen zum Starting Quarterback ernannt worden ist (nachdem im Frühjahr der Job noch Ryan Nassib zugesprochen wurde). DER Greg Paulus? Yep. DER Greg Paulus, der Basketballspieler von Duke. Der war an der Highschool ein exzellenter QB ehe er sich übe eine Basketball-Karriere am College entschied und nutzt nun das verbleibende Universitätsjahr um sich auf dem Football-Feld sportlich zu betätigen. Wenn das schiefgeht, ist das ein denkbar schlechter Einstand für den neuen Headcoach Doug Marrone, zuletzt OffCoordinator bei den New Orleans Saints.

Big Ten

Die Big Ten ist in der Leistungsdichte sehr viel eindimensionaler. Ohio State und Penn State trennen nicht viel, aber beide sind gegenüber den anderen neun Mannschaften klare Favoriten.

Noch ein Wort zu den Michigan Wolverines und dem oben erwähnten Skandal rund um Headcoach Rich Rodriguez. Michigan steht wohl nicht felsenfest hinter den für teures Geld eingekauften Rodriguez. Einige hätten vor zwei Jahren lieber die Verpflichtung von Les Miles gesehen. Er spaltet die Fans und es wird im Laufe der Saison interessant sein zu beobachten, die das Verhältnis sich weiterentwickelt, sollten weitere Vorwürfe kommen. Die letzte Saison war mit 3-9 alles andere als prall und die neue Saison könnte ähnlich schlecht ausfallen. Die eh schon schlechte Defense hat zahlreiche Spielerabgänge und einen neuen DefCoordinator (Greg Robinson) zu verkraften. Spannendster Spieler wird der Freshman-QB Tate Forcier sein. Ein laufstarker Quarterback aus San Diego mit zahlreichen Vorschußlorbeeren.

Apropos unbeliebter Trainer. Ron Zook. Er gilt bei den Illinois Fighting Illini als besserer Recruiter denn als Trainer. Die Fighting Illini haben mit QB Juice Williams einen laufstarken QB der im Passspiel ein Chaot ist und neben WR Benn dringend eine zweite Anspielstation braucht. Die Meinungen über den diesjährigen Kader der Indiana Hoosiers gehen auseinander, aber viel wird nicht erwartet. Kirk Ferentz lässt die Iowa Hawkeyes viel, sehr viel Laufen. Man muss den Abgang von RB Shone Greene in die NFL kompensieren.

Nachdem es im 2ten Jahr unter Mark Dantonio einen weiteren Aufwärtstrend gab, gehören die Michigan State Spartans zumindest zu den Big Ten-Kandidaten mit Überraschungspotential. QB Maxwell, RB Ringer und RB Caper gehören zu den Spielern mit dem meisten Potential im Lande. Ein Jahr der Umstellungen für die Minnesota Golden Gophers durch neue Coordinators – in der Offense soll das Laufspiel verstärkt eingesetzt werden. Die Northwestern Wildcats werden für eines der schwächeren Teams in der Big Ten gehalten, auch wegen ihrer schwachen scoring offense.

Die Ohio State Buckeyes werden seit Jahren zu den Favoriten für den Landestitel gezählt. Was sie dieses Jahr so interessant macht, ist QB Terrelle Pryor, der letzte Saison mitten in der Saison als Rohdiamant ins Spiel geschmissen wurde und relativ überzeugend spielte. Ein guter Läufer, ein akzeptabler Passer, der aber mehr Ruhe und Erfahrung braucht. Er ist das Zentrum in einer nach zahlreichen Abgängen komplett umgestellten Offense.

Beim anderen Big Ten-Meisterschaftsfavoriten, Penn State, weiß so recht niemand, wieviel der hüftkranke Joe “Pa” Paterno mit seinen 82 Jahren eigentlich noch wirklich kontrolliert. Das Problem könnte die Offense sein, wo es abseits von QB Clark nur wenig Alternativen gibt. Weiterhin Offense Coordinator: der ehemalige Rhein Fire-Headcoach Galen Hall. Bei den Wisconsin Badgers wartet eine exzellente WR-Crew darauf, endlich einen brauchbaren QB zu bekommen. Weder Freshman Budmayer, noch Amtsinhaber Evridge und Sherer gelten als die zufriedenstellende Antwort. Kann Headcoach Bret Bielema nicht bald den Abwärtstrend stoppen (seit 2006: 12 Siege, 9 Siege und zuletzt 7 Siege), hat es sich in Wisconsin ausgebielemat.

Von den Purdue Boilermakers wird mit Indiana ein heißer Kampf um die Rote Laterne erwartet. Die Probleme in Stichworten: schwache Rushing Offense, schwache OL, kein Starting WR, QB oder RB kehrte zurück, Wechsel des Starting QB, nachdem Justin Stiller wegen academic violation diese Saison suspendiert wurde, neuer Headcoach Danny Hope. Einziger Lichtblick: RB McBurse, ein exzellenter Laufspieler an der High School.

Pacific-10

Kuriose Conference. Es gibt einen ganz klaren Favoriten für den Titel: die USC Trojans. Aber dahinter tut sich vieles und ist viel Bewegung.

Die USC Trojans haben sich aufgrund ihrer Ausnahmestellung im Westen inzwischen irrsinnige Resourcen beim Recruiting aufgebaut und können auch extrem lässig den Wechsel von Coordinators verkraften. Headcoach Pete Carroll zieht jedesmal irgendein Karnickel aus dem Zylinder. Wer wird QB Mark Sanchez nach seinem Abgang zu den NY Jets ersetzen? Green, Corp und Mustain gelten als limitiert und für den Top-Prospect Matt Barkley dürfte es noch zu früh sein.

Apropos QB-Position. Die ist bei den Arizona State Sun Devils noch offen, nachdem Jack “ich bin der Sohn von John” Elway sich vom Football zurückgezogen hat und mit dem Transfer von Steven Threet aus Michigan der 2010-Starter festzustehen scheint. Sullivan, Szakacsy und Osweiler scheinen nicht mehr als nur eine Interimslösung zu sein, die hinter einer schlechten OL zum Abschuß freigegeben werden.

Die California Golden Bears stehen in den Preseason-Polls in den Top 25, haben aber einige Umstellungen zu verkraften, nach dem Abgang des zweiten OffCoord binnen zwei Jahren, des Verlustes von QB Longshore, des landesweit besten Censters und dreier exzellenter Linebackers. Kompensieren soll das u.a. OffCoordinator Andy Ludwig, der kurzfristig und nach nur zwei Monaten Kansas State wieder verließ um zur Westküste zurückzukehren.

Zu den Oregon Ducks habe ich nach der Niederlage gegen Boise State in Screensport schon etwas geschrieben. Schlechter kann man nicht in die Saison starten: eine offensiv unglaublich schwache Leistung, den exzellenten Star-RB aus disziplinarischen Gründen (Stichwort: rechte Gerade) für die Saison suspendiert und nach dem ersten Spiel schon Zweifel an der Eignung des neuen headcoach Chip Kelly geweckt. Kelly, zwei jahre OffCoord. gewesen, ersetzt den zum Athletic Director beförderten Mike Bellotti. Hohe Hoffnungen setzte man auf QB Jeremiah Masoli, der die unglücksselige QB-Rotation der Vorsaison beenden sollte, aber gegen Bosie State nicht aus den Hufen kam.

Bei den Stanford Cardinals schaut jeder auf eine weitere Steigerung unter dem Motivator Jim Harbaugh in seiner dritten Saison. Das Problem ist die Kaderqualität in der Offense, wo es an einem Playmaker fehlt. Ein Trainer unter Druck steht an der Seitenlinie der UCLA Bruins. All das rhetorische Feuerwerk von “Slick” Rick Neuheisel hat nichts genutzt, all die Streitereien zur eigenen Profilierung mit Stadtnachbar USC vergeblich. Nur 4-8 und eine absurd schwache Pass-Offense. UCLA hat immerhin zwei Freshmen als QB an den Start: Kevin Prince und Richard Brehaut. Es würde zu Neuheisel passen, dass er bei den ersten Fehlern von Kevin Craft sofort einen der jungen reinschmeißt.

Eine der interessantesten Teams werden die Washinton Huskies sein, die mit dem neuen Headcoach Steve Sarkisian (vorher: Offcoord bei USC) eines der ganz großen, aufstrebenden Trainertalente geholt haben. Zwar kann Sarkisian mit einem gewachsenen Kader spielen – 19 Starter der Vorsaison sind zurück – aber hat er das Material für eine Pro-Style-Offense wie bei USC? QB Jake Locker ist kein Mann für schnelle, kurze Pässe. Ihn gegen seine Mentalität einzusetzen, hieße sein Talent als vielleicht derzeit bester und extrem mobiler QB der Pac-10 zu verschleudern.

Auf der Suche nach dem Schlußlicht der PAC-10 zeigen alle Finger auf die Washington State Cougars. nachdem sie letzte Saison mit 2-11 abschloßen, wird diesmal sogar 0-13 für möglich gehalten. Die Kaderqualität gilt als extrem schwach. Wer daran über Recruiting schrauben will, wie jetzt Headcoach Paul Wulff in seinem 2ten Jahr, braucht minimum 3-4 Jahre Zeit.

SEC – Southeastern Conference

Den Titel um die beste Conference im College Football müssen SEC und Big 12 unter sich ausmachen. Die Leistungsdichte ist aber in der SEC noch ein Stückchen höher ebenso wie die unglaublichen Rivalitäten unterhalb der Mannschaften.

Drei Teams werden als Favoriten genannt: Florida, Ole Miss und Alabama.

Über die Florida Gators und ihrem Offensivguru Urban Meyer ist schon alles gesagt. Der QB Tim Tebow-Hype geht weiter: ein Gutmensch vor dem Herren, der in Südostasien in einer christlichen Mission aufgewachsen ist und auch sonst ein Leben führt, bei dem Meister Propper wie ein Schmutzfink aussieht. Tebow ist auch sportlich ein Faszinosum, denn so dominant seine Leistungen auf dem Feld sind, verkörpert er einen Typus Quarterback, der in der NFL eigentlich kaum Chancen hat. Weswegen es sein kann, dass er zu einem der erfolgreichsten College Football-Spieler ever wird, aber trotzdem keinen Profivertrag bekommt. Vielleicht aber auch doch. Die aufkommende Wildcat-Offense gibt einem untersetzten und laufstarken QB wie ihm die Chance Verwendung zu finden. Wenn sich dich Wildcat-Offense nicht als Modenummer entpuppt, sondern auch in den nächsten Jahren in der NFL konsequent weiter verbreitet, öffnet sich doch noch ein Türchen für Tebow.

Die Georgia Bulldogs werden eine anstrengende Saison vor sich haben, denn mit den Abgängen von QB Stafford und RB Knowshown haben sie ihre beiden besten Spieler verloren. Die South Carolina Gamecocks konnten in ihrem Auftaktspiel gegen NC State offensiv nicht überzeugen. Die OL zeigt sich weiterhin als löchrig und die Mannschaft muss weiterhin auf ihre aggressive Defense setzen, denn QB Garcia, RB Giles und RB Maddox haben nicht die Qualitäten um ein Team zu tragen.

Das Team das in der Offseason für den meisten Wirbel gesorgt hat, sind die Tennessee Volunteers, die zu den traditionsreichsten College Football-Teams gehören. In einem nicht unumstrittenen Move haben sie sich von ihrem langjährigen Headcoach Phil Fulmer getrennt und den blutjungen, gescheiterten Raiders-Headcoach Lane Kiffin verpflichtet. Kiffin wurde mit viel Geld für ein sehr teuren Assistentenstab verpflichtet, zu dem auch sein Vater und Erfinder der Tampa-2-Zonendeckung Monte Kiffin gehört. Lane Kiffin zog seit letzten November durch die Lande und hatte nichts besseren zu tun, also so ziemlich jedes andere SEC-Team zu beleidigen und eine derart dicke Lippe zu riskieren, gegen die sieht sogar ein Felix Sturm nach 12 Runden Boxen noch gut aus.

Kiffin riskiert mit seiner Angeber-Nummer ziemlich viel. Offiziell spricht er davon, dass es galt, wieder Ehrfurcht vor den Vols im Lande zu verbreiten. Aber wenn er es nicht schnellstmöglichst mit Siegen unterfüttert kann, wird er als Poser abgestempelt. Ich wage die Behauptung das bereits nach einer ersten schlechten Saison seine Uhr zu ticken beginnt. Auffällig ist, das seit Kiffins Inthronisierung elf Spieler die Mannschaft verließen.

Alles andere als harmonisch ging es auch bei den Auburn Tigers zu. Letzte Saison kollabierte man und feuerte mitten in der Saison – absolut außergewöhnlich für College-Verhältnisse – den OffCoordinator Tony Franklin. Nach Ende der regular season wurde auch Headcoach Tommy Tubberville zurückgetreten. Alles sehr zur Freude der Fans, denen aber das komplette Essen der letzten zwei Tage aus dem Gesicht fiel, als der Tubberville-Nachfolger per Privatflieger aus Iowa eingeflogen kam: Gene Chizik, der bei Iowa State nur eine 5-19-Bilanz geschafft hatte. Ein Headcoach mit losing record soll gut genug für Auburn sein? Ähnlich wie bei Kiffin: wenn das Ding im ersten Jahr schief geht, wird die Leine für Chizik eher enger. und es ist nicht so, als hätten die Auburn-Fans eine Ahnung was sie erwartet. Die Offense soll unter dem neuen OffCoord Gus Malzahn komplett umgestellt werden. Eine Entscheidung für den Starting QB wurde lange hinausgezögert. immerhin hat man in den ersten vier Wochen einen machbaren Spielplan.

Die Vanderbilt Commodores nutzen die eingespielte Mannschaft (18 Starter kehren zurück) um eine neue No-Huddle-Offense einzuführen. Auch die Arkansas Razorbacks unter dem umstrittenen Headcoach Bobby Petrino haben den Luxus von 17 zurückkehrenden Startern. Es muss kaum eine Position angepackt werden. Es könnte einen neuen QB geben, da sich angedeutet hat, dass der Michigan-Transfer Ryan Mallett sich durchsetzen wird.

Nicht zuletzt durch die Verluste der zwei Schlüsselspieler in der Offense, QB Parker-Wilson und RB Coffee, wird erwartet dass die Alabama Crimson Tide diese Saison in der Offense eher stagnieren werden und noch mehr von ihrer Defense leben werden. Les Miles hat bei den LSU Tigers einige offene Baustellen. Die schwache Defense soll durch einen neuen DefCoord wieder in Frm gebracht werden, die QB-Position ist schwach besetzt. zumindest auf der QB-Position gibt es mit Shepard eine Hoffnung, aber es scheint wahrscheinlich zu sein, dass die Freshman-Allzweckwaffe in dieser Saison öfters als RB oder WR aufgestellt wird.

Die Mississippi Rebels (Ole Miss) werden vor Beginn der Saison überraschend hoch gehandelt. Es gibt keinen Grund für die plötzliche Euphorie. Headcoach Houston Nutt hat letzte Saison in seinem ersten Jahr konsequent an den Schwächen gearbeitet und einen Aufschwung von 3-9 auf 9-4 geschafft. Nutt ist vielleicht der typischste SEC-Coach aller Trainer. Erzkonservativ, autoritär, aber unglaublich relaxt und eine unheimliche Ruhe ausstrahlend. Ähnlich lässt er auch Football spielen. Es ist kein Football das mit Spektakel oder Finesse in die Lehrbücher eingehen wird. Sondern ruhiger, autoritärer Football mit Laufspiel als Fundament.

Gute Chancen auf ganz unten haben die Mississippi State Bulldogs. MSU hat eine ganz schwache Offense und diese ist wurde im Sommer noch einmal nachhaltig geschwächt als ihr bester Spieler RB Anthony Dixon wegen Trunkenheit am Steuer festgenommen wurde. Dixon wurde abgestraft und es gibt von MSU noch kein Statement ob und ab wann er wieder spielen wird. Immerhin durfte er am Training teilnehmen und wird auch in Ausrüstung an der Seitenlinie stehen.

Die kleinen Conferences

In der Conference USA haben die Tulsa Golden Hurricanes teilweise wirklich brilliant gegen Tulane aufgespielt. Interessant wird die weitere Entwicklung der East Carolina Pirates sein. Der Sohn der Trainerlegende Lou Holtz hat in vier Jahren bislang sehr gute und solide Arbeit geleistet und profitiert von zahlreichen zurückgekehrten Startern und sehr guten RBs.

Bei den Independents, also den Teams die keinerlei Conference angehören, schaut jedermann auf das traditionsreiche Notre Dame Fighting Irish. Die Zeit für Headcoach Charlie Weis läuft ab. Das Vertrauen in seine Qualitäten ist erschüttert. Nach der nächsten schlechten Saison fliegt er. Seine Hoffnung setzt er auf einen reifer werdenden QB Clausen und guten Receivern.

Aus der Mid-American Conference werden keine größeren Überraschungen erwartet, die Einfluß auf die Top 25 nehmen könnten. Gleiches kann von der Sun Belt Conference gesagt werden.

Anders in der Mountain West Conference bei denen gleich drei Teams das Potential haben Top25-Mannschaften zu schlagen.

Die Mormonen-Uni Brigham-Young Cougars (BYU) muss acht neue Starter in die Offense einbauen, aber mit QB Max Hall einen sehr guten QB. Ein Fragezeichen steht hinter der OL, wo nur ein Starter zurückkehrt.

Kyle Whittinghams Utah Utes haben sich durch ihren Sieg in der Sugar Bowl im Januar gegen Alabama (31:17) als Favoritenkiller profilieren können.

Die Texas Christian Horned Frogs (TCU) leben von ihrer Defense, mit der sie im letzten Dezember sogar die explosive Boise State-Offense haben abwürgen können. Mit einer der besten Verteidigungen des Landes wird der Gegner erwürgt und mit zermürbendem Laufspiel dann geschlagen.

Die WACWestern Athletic Conference – ein krudes Gebilde dessen westlichstes College Hawaii und östlichstes College Lousiana Tech schlanke 7.000km entfernt sind und damit für spassige Reisen bei den normalen Conference-Spielen sorgen – hat in den letzten Jahren einen Aufschwung bekommen. Das helle Licht der Hawaii Warriors schien zwar nur zwei Spielzeiten lang, als June Jones die passgewaltigste Offense des Landes produzierte, aber Boise State hat konstant seine Qualitäten gezeigt und ist seit drei Jahren ein veritabler BCS-Herausforderer.

Hätte Boise State nicht im dritten Viertel nachgelassen, wäre das an #16 gerankte Oregon am Donnerstag zertrümmert worden. QB Kellen Moore zeigt für einen Sophomore eine erstaunlich abgeklärte, NFL-reife Leistung. Der Verlust von RB Johnson konnte zur RB Avery kompensiert werden und die Defense zeigte sich sehr angriffig.

Reaktionen

  1. Wo kann man Kommentare eingeben?

    Nach elf Jahren habe ich die Kommentare im Blog mangels Zeit für Kommentarverwaltung geschlossen. Es kann noch kommentiert werden. Es ist aber etwas umständlicher geworden.

    1. Das Kommentarblog http://allesausseraas.de/, aufgezogen von den Lesern @sternburgexport und @jimmi2times
    2. Sogenannte „Webmentions“ mit einem eigenen Blog. Siehe IndieWebCamp
  2. Jo, ich weiß: der Text ist teilweise durch die ersten Spiele überholt. Aber wenn ich die aktuellen Ergebnisse auch noch berücksichtigt hätte, hätte ich noch mal drei Stunden länger dran geschrieben.

  3. Schöne Vorschau, danke für die Mühe. Ich guck ja College eher wahllos, achte wenig auf Draft Prospects und so, sondern hoffe auf spannende, spaßige Spiele (gern mal einen Upset^^), aber so ein schöner Überblick ist da doch immer hilfreich.

    Ein kleiner Fehler ist mir aufgefallen: Du nennst bei der Michigan State noch RB Ringer, der wurde aber mittlerweile von den Tennessee Titans gedraftet. Wird sicher ne Schwächung für die Spartans sein.

  4. Ich glaube jeder hier ist froh das du dir überhaupt die Arbeit machst. Liest sich wie immer sehr gut.

  5. Habe mich schon auf Deine Preview gefreut und wollte mal schnell lesen. Habe dann aber mal gescrollt…

    Ich lese das morgen. Schon mal vorab großes DANKE.

  6. Ich hab noch nicht alles gelesen, aber wie immer Hut ab.
    Kleine Ergänzung meinerseits.
    Miami Hurricanes: Man hat einen neuen Def. und einen neuen Off. Cord. in John Lovett und Mark Whipple. Man wird sehen ob, die beiden die Canes wieder nach vorne bringen können. Es wrd jedenfalls keine QB Rotation mehr geben Robert Marve ist weg und der Job gehört Jacory Harris. Harris hat mir in den beiden Spielen die letztes Jahr gesehen habe besser gefallen als Marve. Haupt RB wird wohl Craig Cooper sein und er könnte die große Tradition der Canes RBs fortsetzten. Etwas dünner siehts auf der WR Postion aus(wie schon letztes Jahr). Es hat sich noch keiner als Hauptanspielstation aufdrängen können.Momentan schein A. Johnson die Nr. 1 zu sein. Es ist auch kein TE in der Kategorie Olson, Winslow oder Schockey in Sicht.
    In der Abwehr feheln vor allem auf der Linebacker Postion die großen Namen der Vergangenheit.
    In Miami ist man hoffnungsfroh, dass man mal wieder etwas weiter oben mitspielen kann. Diese Hoffnung könnte aber schnell zerstört sein, denn die Saison beginnt in Talahassee beim Erzrivalen FSU. Danach zuhause gegen Georgia Tech(auch keineswegs ein Selbstläufer), auswärts gegen Virginia Tech und dann zuHaus gegen Oklahonma. Es könnte also passieren, dass man nach vier Spielen mit leeren Händen dasteht und die saison dann schon fast vorbei ist.
    Dennoch
    GO CANES

  7. Vielleicht ist auch nur die Sensibilität gegenüber den Verstößen gewachsen. Gerade die akademischen Leistungen waren schon immer fragwürdig. So kann ich mich errinnern, dass Dexter Manley erklärte, dass er Analphabet sei, obwohl er ein abgeschlossenes Studium bei OSU(wie passend zur laufenden Übertragung) hatte. Man mag mich korrigieren, wenn sich mein schlechter werdendes Gedächtnis täuscht.

  8. Vielen Dank für deine grossartige Arbeit !

  9. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass die Sport-Programme der wichtigste Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Universitäten ist. Die charakteristische Liebe der Amis zu ihrer Alma Mater – eine vollständige Identifizierung, ein unglaubliches Gemeinschaftsgefühl, das man wahrscheinlich erlebt haben muss, um es zu begreifen – entsteht vor allem über die verschiedenen Teams. Das gilt sogar für sportlich weniger gesegnete Unis wie der University of Massachusetts, an der ich mal studieren durfte. Würde ich hier in Deutschland ein T-Shirt der Uni Tübingen tragen? Nie im Leben! Da gilt man gleich als spießig oder arrogant – und außerdem verachtet der gemeine Student die Uni ohnehin als Teil des minderwertigen und ungerechten Bildungssystems. Aber ein UMass-Shirt? Cap? Shorts? Trage ich alles regelmäßig. Go Minutemen!

  10. Interessante Einführung in Sachen College Football.
    Dieser Blog übertrifft sich täglich aufs Neue! Einfach der beste Sportblog!

  11. Dogfood, da hast Du Dir wieder sehr viel Mühe gegeben! Eine gute Balance aus “Einführung” und vielen “insider”-Informationen. Generell unterliegt Deine Vorschau aber genau dem ungerechten “bias”, der über das BCS-System im College Football manifestiert wurde und es für Aussenseiter so gut wie unmöglich macht an die Fleischtöpfe der “guaranteed payouts” zu kommen. Hier könnte man jetzt Seiten füllen und wäre am Ende immer noch nicht schlauer… Ich sage nur mal beispielsweise “anti trust” und Senator Orrin Hatch (der nicht zufällig, sie unten, aus Utah kommt).

    Nur ein Beispiel: Kurz am Ende erwähnst Du fast nebenbei noch die “kleinen Conferences” und frühstückst absolute Powerteams, die seit Jahren konstant in den Top25 sind, so mal nebenbei ab. Speziell meine ich die Mountain West Conference (MWC) mit BYU, TCU und Utah – drei Teams, die zu den Besten im Lande gehören, aber alleine aufgrund ihrer conference affiliation schon beim Startschuss der Saison mit einer Bleikugel am Fuß loslaufen.

    Wenn Du sagst, diese Teams haben das “Potential Top25-Teams zu schlagen”, dann spricht daraus letztlich genau die Überheblichkeit, mit der sich diese Teams herumschlagen müssen. Richtiger wäre es, diese drei Teams (plus Boise State, über die Du ja schon viel geschrieben hast) selbst als legitimes (!) Top25-Team in their own right zu bezeichnen. Leider haben die Teams aus einer non-BCS-Conference den (systembedingten) Nachteil, dass sie mit einer Saisonniederlage (egal wann, egal gegen wen und eagl was sie sonst geleistet haben) praktisch keine Chance mehr haben auf ein BCS-Bowlgame oder gar the national championship.

    Die krasse Bevorteilung der BCS-Conference, das Nichtvorhandensein eines Playoff-Systems und die lächerliche (BCS-Teams bevorteilende) Arithmetik der verschiedenen Presse-, Coaches- und Computer Polls machen College Football am Ende – gemessen an der immensen Bedeutung im Lande – zu einem Witz. Es gibt keine andere NCAA-Division1-Sportart, wo der National Champion auf eine derart absurde Weise gekürt wird. Aber es gibt ja auch Stimmen, die besagen, dass genau darin der Reiz liege…

    Wie auch immer: Schön, dass Du hier einen Überblick präsentierst – angesichts der Fülle an Infos und an höchst diskussionswürdigen Themen zu diesem spannenden (und mich faszinierenden) Themas ist Vollständigkeit sowieso ein Ding der Unmöglichkeit.

  12. Vielen Dank für die tolle Vorschau, bietet mir als Neuling im Bereich des Footballs eine erste tolle Übersicht in diesem komplizierten System ;)

  13. Zum Aspekt Playoffs, ja oder nein.
    Ich gehöre zu denjenigen, die große Probleme mit den Playoffs haben. Derzeit werden 64 Teams in Bowls geladen. Entsprechende Playoffs würden über sechs Runden laufen müssen und damit den Spielplan von College-Mannschaften von 12 auf 18 Spiele aufblähen. Das halte ich für College Sport für unverantwortlich.

    Das Bowl-System hat seinen Charme, allerdings sind die derzeitigen Strukturen die Bowls teilweise an Conferences anbinden und die BCS-Bowls an die BCS-Conferences in der Tat diskussionswürdig.

    Ähnlich wie sich die NFL aufgrund ihrer körperlichen Belastung nicht mit NHL, MLB und NBA vergleichen lässt, kann man auch College Football nicht mit den anderen Sportarten vergleichen. In Extremis übertragen, müssten man dann auch verlangen, dass die March Madness nach dem Vorbild des College Baseballs Hoffnungsrunden zulässt, um einmalige Ausrutscher zu kompensieren.

    Den eventuellen Sonderfall MWC mal kurz außen vor gelassen: die Existenz der großen Sechs erklärt sich auch teilweise aus dem “strength of schedule”. Es gibt in der Saison zwei Monate lang keinen Grund über Bose State zu berichten. Da hat man es im Basketball anders, wo man innerhalb einer ca. 30 Spiele umfassenden regular season immer wieder mal Spiele außerhalb der Conferences einstreuen kann.

  14. Super Vorschau… Vielen DANK

  15. Echt ein ziemlich guter Überblick, findet man sonst ja leider selten bis nie auf deutsch. Ist allerdings lustig, was sich alles nach dem ersten Spieltag gestern schon wieder verändert hat (siehe v.a. Oklahoma!)
    Schade, dass es kein Board gibt, auf dem man sich austauschen kann. Naja, muss ich mich eben weiter auf den US-Foren tummeln. Nochmals danke für den langen Blog.

    Hook’em Horns!

  16. @Innocent Bystander

    Wenn ein Top Team aus der MWC eine Saisonniederlage hat, ist es ja klar, dass es (fast) keine Chance mehr auf ein BCS-Bowlgame hat, wenn man sich deren SOS anschaut. Ich kann das “Leider” in deiner Ausführung deshalb nicht ganz verstehen. Würde ein Team aus einer BCS-Conference gegen ein “normales” MWC-Team verlieren hätte es auch keine sonderlich große Chance in eine der BCS Bowls zu kommen.

    Ich sehe die systembedingte Ungerechtigkeit eher darin, dass Teams wie Boise State auch mit einem starken “out of conference” Schedule keine Chance aufs National Championship Game haben, weil ihr SOS insgesamt wegen ihrer schwachen Conference zu gering ist. Da hilft nur Conference wechseln, was aber im Fall der MWC wohl nicht so einfach ist, denn wer sollte sie aufnehmen…

  17. Also BYU hat die Bleikugeln an den Füßen gestern aber ganz weit weg geworfen.

  18. Danke.
    Mehr will ich garnicht sagen. Tolle Zusammenstellung.

  19. schicke Vorschau…wie man es gewöhnt ist. Danke

  20. Mal davon abgesehen, dass viele Teams *alleine* aufgrund conference affiliation überbewertet (wie z.B. die Big10 als Ganzes), nur weil dort viele große, traditionsreiche Unis (häufig state schools mit Hunderttausenden Alumni mit Netzwerken, die natürlich auch in die Medien reinreichen) spielen, die nur noch vom Ruhm der Vergangenheit leben, was wiederum den SOS verfälscht… Ich will gar nicht abstreiten, dass die schwachen Teams einer Mid-Major Conference wahrscheinlich doch (zT erheblich) schwächer sind als bei einer BCS-Conference, wo die LeistungsDICHTE zwar insgesamt höher ist, aber die Spitzen (im Vergleich) doch sehr nivelliert wurden (alleine durch die Scholarship-Begrenzungen, die zu größerer Parität geführt haben).

    Das ändert aber nichts daran, dass die TCUs und Boises dieser Welt nun mal die Teams spielen müssen, die in ihrer Conference sind. Da führt kein Weg dran vorbei. Darüber hinaus haben solche Power Teams immer die Schwierigkeit, dass die sog, “big boys” sie nicht für ein non-conference-game verpflichten (ob als Einzelspiel oder home-and-away-series), weil sie nicht das Risiko eingehen wollen, zu verlieren. (Natürlich gibt es diese Spiele, was auch daran liegt, dass solche Series Jahre im Voraus – unter anderen Voraussetzungen – vereinbart werden.)

    Die Existenz des traditionsreichen Bowlsystems führt ja dazu, dass auch die Teams, die in ihrer Conference nur 2., 3., oder 4. werden, trotzdem noch zu einem touristisch und/oder finanziell attraktiven Bowlgame reisen dürfen, was ja immer noch ein Saisonabschluss-Highlight ist, vor allem für die Spieler, aber auch für Alumni, Eltern, Fans, usw.

    Trotzdem: Wenn man die sportliche Logik der Conference Championships weiterspinnt (also, wer gewinnt die die Big12, die Pac10, die SEC usw.), dann sollte nur der jeweilige Conference Champion qualifiziert sein für ein wie auch immer gestricktes Play-off-System (die damit verbundenen Schwierigkeiten für “student athletes” und den “academic calendar” lasse ich hier mal weg). Der Conference Champion hat per definitione die anderen Teams in der Conference hinter sich gelassen, und die sind damit raus aus der Nummer (wer nicht mal das beste Team der Conference ist, kann gar nicht NCAA-Champion werden).

    So, damit bliebe nur noch die Frage, wer unter den Conference-Gewinnern ist die beste Mannschaft? Denn wenn ein Team wie TCU “undefeated” ist in der Conference und in OOC-Games, dann hat das Team alles Menschenmögliche getan. Mehr geht nicht – SOS hin oder her.

    Wenn man alle Conference Champions in einem Play-Off gegeneinander antreten lässt, dann bekommt man den natürlichen und verdienten National Champion. Für diese Play-Offs gibt es viele Szenarien, darunter einige, die gar nicht eine so hohe Extra-Belastung darstellen.

    Klar, ich weiss auch, dass damit das Ende des Bowlsystems käme – und dagegen gibt es Widerstände. Eine andere Frage wäre, was passiert mit den Independents (u.a. Notre “Touchdown Jesus” Dame, fast das beste Beispiel von einer Uni, die nur noch vom Ruhm vergangener Tage lebt, aber auf dem Feld seit Jahren enttäuscht), deren ganze Saison nur aus OOC-Games besteht, weil sie zu keiner Conference gehören.

    Das alles aufzudröseln, ist schwierig (manche sagen, unmöglich). Was in den USA aber fehlt – aber für eine Reform unbedingt erforderlich – ist eine Grundüberzeugung, dass das System zutiefst unsportlich und unfair ist. Leider profitieren von dem jetzigen System zu viel der großen, traditionsreichen Unis in den BCS-Conferences (wo ja ALLE Teams, auch der abgeschlagen Letzte, von den pay-ouits profitieren), weswegen der Impuls zur Reform nur von aussen (vom Gesetzgeber oder den Medien) kommen kann.

  21. Und die Medien kannst Du da eigentlich auch in allerletzter Konsequenz rausstreichen.

    Zwar sind immer mal wieder aus dieser Ecke auch der Ruf nach einem Playoff-System zu vernehmen, am Ende des Tages wollen aber auch ESPN & Co. in den wichtigsten Spielen zum Ende der Saison die bekanntesten Namen sehen.

    Ab und zu mal ‘ne Cinderella Story ist für die ja nett, aber bitte nicht zu häufig. Dann doch lieber in 8 von 10 Fällen Florida, USC, Tennessee & Konsorten.

  22. @Innocent Bystander
    Das System “alle Conference-Meister in die Playoffs” (ergo ca. 4 statt 6 Playoff-Runden) hat auch gravierende Nachteile: es würde Inter-Conference-Spiele komplett entwerten und Teams aus der zweiten Garnitur gelänge es nicht sich mit bewusst schwer ausgesuchten Gegnern ein gutes Standing zu erarbeiten.

    Ich sehe zwei Knackpunkte beim derzeitigen Bowl-System. Die hohe Zahl der “Pflichtspiele” in der Conference (i.d.R. acht) vs der geringen Zahl an “Kür” und die schlechten Möglichkeiten für ein Team aus den kleinen Conferences an attraktive starke Gegner zu kommen. Würde es hier mehr Durchlass geben und z.B. auch die TV-Anstalten mehr Interesse für solche Spiele zeigen, würde sich das Image und damit das Standing der kleinen Colleges steigern.

  23. Ich mag das Bowl-System, brauche keine National Championship. Prestige, Historie und große Namen sind doch das, wovon der College Football lebt.

    Klar, die Teams aus den kleinen Conferences sehen das anders (es geht ja auch um Geld). Aber da liegt es auch an den Medien, die eben deren Spiele öfter zeigen müssten, denn stattfinden tun sie ja. Letztes Jahr z.B. wurde zum ersten Mal ein Heimspiel der Middle Tennessee Blue Raiders auf ESPN übertragen (gegen Florida Atlantic, Primetime dienstags, glaub ich, war es) und es war ein spannendes Spiel (14 Punkte vom Heimteam in den letzten 5 Minuten erzielt, inkl. Sieg per Hail Mary bei runtertickender Uhr). Solche Spiele müssen die Sender (bzw.der Sender, geht ja hauptsächlich um ESPN) eben öfter zeigen, damit diese Conferences auch an Bedeutung gewinnen. Denn – so hatte ich letztes Jahr mal nach der Saison gelesen – Utah wurde in den Polls vor allem deswegen nicht höher gesetzt, weil viele der Experten, die da abstimmen durften/sollten, gar nicht genügend Spiele des Teams gesehen hatten, weil sie einfach nicht gezeigt wurden.

    Und mittlerweile ist die Bowl Season doch so lang und ausführlich, dass Teams aus allen Conferences TV-Aufmerksamkeit kriegen; der beste Bowl war für mich letzte Saison etwa der New Orleans Bowl zwischen den Southern Miss Golden Eagles und den Troy Trojans (also Conference USA vs. Sun Belt Conference). Das war ein klasse Spiel, solche will ich sehen, von daher – ist natürlich nur mein subjektive Ansicht – gern weiter so :-)

    PS: Das Championship-Game zwischen Florida und Oklahoma habe ich mir letztes Jahr noch nicht mal angesehen, weil es mich einfach nicht interessierte.

  24. @Prometheus:

    Das ist doch eine verdrehte Argumentation. Natürlich spielt TV eine (sehr) große Rolle im College Football, aber das darf ja nun nicht beeinflussen, wie die NCAA als “Dachverband” den sportlichen Wettbewerb “auf dem Feld” organisiert.

    Sicher, “tv exposure” ist extrem wichtig, auch weil die ganzen Pollster (und Coaches!) ja nicht mal ansatzweise die Möglichkeit haben, die ganzen Teams, die sie ranken sollen, zu sehen. So wählt halt jeder die Teams aus “seiner” Conference höher, weil man die natürlich besser kennt – und weil es den eigenen SOS verbessert… ;-)) und für den Rest zieht man sich die Highlights im Sportcenter rein… (Auch hier der Schlüssel zum Erfolg: Wenn man in den Top25 ist, zeigt ESPN automatisch und garantiert Highlights der Spiele und im Ticker laufen die Top25 auch besonders hervorgehoben, erst danach laufen “normale” Conference Spiele…)

    Und der “east coast media bias” ist auch hinlänglich bekannt. Wenn die Spiele an der Westküste enden (von Hawaii ganz zu schweigen), liegen die Journalisten der führenden Ostküstenmedien schon lange im Bett (vom Redaktionsschluss ganz zu schweigen).

    Zuletzt: Im Schatten der BCS-Bowls verkümmern einst ruhmreiche Bowls wie zB die Cotton Bowl immer mehr, weil es einfach nicht mehr um so viel geht. Da ist der Lack schon lange ab. Dazu kommen die unsäglichen “conference tie-ins”, wo dann irgendwo noch vor Weihnachten ein 7-5 Team gegen ein 6:6 Team um die goldene Ananas spielt… Heutzutage braucht man 6 Siege, um “bowl eligible” zu sein, also reicht auch eine 6-6 Saison um bowlen zu gehen… Prestige, Historie, große Namen? I don’t think so.

    @Dogfood:
    Du hast sicher Recht, dass jede mögliche Änderung einen Rattenschwanz an Konsequenzen nach sich zieht und viele andere Fragen aufwirft.

    Wenn ich jetzt richtig rechne, haben wir 11 Division1 Conferences plus die Independents (mit Army, Navy und ND), also quasi 12 Teilnehmer.

    Man müsste also zu einem Viertelfinale mit den Top 8 kommen.
    Man könnte vier top seeds “nehmen” (siehe unten), die ein bye haben für das “Achtelfinale.”
    Achtelfinale somit: 5 vs 12, 6 vs. 11, 7 vs. 10, 8 vs. 9
    Die Sieger dann im 1/4Finale gegen die Top Four, also: 1 vs 8, 2 vs 7, 3 vs 6, 4 vs 5.
    Im Halbfinale und Finale könnten dann die bisherigen BCS-Bowls zum Tragen kommen, jeweils rotierend. Eine Bowl fiele dann aus dem jetzigen Kreis weg… tja, keine Ahnung…
    Diese Spiele liessen sich auch noch im academic calendar unterbringen, wobei ich jetzt mal die grds Bauchschmerzen beim Thema “student-athletes” beiseite schiebe… (Die letzten richtigen Conference-Spiele sind ja an Thanksgiving/Rivalry Weekend, von Army-Navy im Dez. mal abgesehen)
    Ein Team hätte also maximal 4 Spiele, die Top Four hätten nur drei.

    Problem: Auch hier gäbe es eine “Setzliste” – wonach richtet die sich? SOS, Rankings, Computermodelle? Aber letztlich egal, man hätte die Top12, die sich gegen ihre jeweilige Conference Gegner durchgesetzt haben – und es nun untereinander “on the field” ausspielen. Keine Frage, das wäre ein moneymaker und Quotenhit.

  25. Huch, da habe ich doch Boise State tatsächlich in die MWC gepackt, die gehören natürlich zur WAC. Bei denen gab es ja sogar mal Gerüchte(bzw. scheibar auch eine Einladung), dass sie vielleicht in die MWC wechseln…

    @Innocent Bystander

    1. Die Problematik, dass die “großen” Unis/Colleges gegen keine guten Mid-Majors antreten, gibt es ja in den letzten Jahren immer weniger(siehe z.B. Boise-Oregon, BYU-Oklahoma,…), was ja auch damit zusammenhängt, dass die Sponsoren und TV-Anstalten diese Spiele haben wollen. BYU könnte es dieses Jahr sogar schaffen, wenn sie ungeschlagen durchgehen und auch TCU und Utah ne gute Saison haben, da die Cougars mit FSU noch ein anderes geranktes Team auf ihrem OOC Schedule haben.

    2. 3 Spiele mehr, wie du es bei deinen Playoffs siehst, sind im Football nun auch keine einfache Geschichte, da die Belastung doch extrem hoch ist. Die einzige Möglichkeit wäre es die Conference Spiele zu verringern, doch warum sollte das jemand freiwillig tun? Zumal Playoffs die Problematik des Rankings ja nur verschieben würden.

    3. Der NCAA dürfte das relativ egal sein, wer da wie irgendeine Championship ausspielt, da es sich ja um keine offizielle NCAA-Meisterschaft handelt.

  26. @Innocent Bystander:

    Naja, meine Argumentation basierte ja auch darauf, dass ich die Bowls gerne behalten würde und war – wie geschrieben – sehr subjektiv darauf ausgerichtet, einfach ein paar spannende Football-Spiele zu sehen ;-)

    Wenn wir jetzt wirklich nach einem gerechten Weg suchen, einen nationalen Meister im College Football zu finde, musst du aber woanders ansetzen als bei den Bowls. Die Bowls sind nicht du Ursache des Problems, sondern nur eine Auswirkung. Ursache ist das System der Conferences – solange du das nicht umstrukturierst, wirst du keinen fair erspielten Meister kriegen, weil das Leistungsspektrum so dermaßen weit gefächert ist und dadurch die Spielpläne so unterschiedlich sind. (Mal ganz davon abgesehen, dass ich ein Ligasystem wie im europäischen Fußball viel gerechter finde als jegliche Playoffs…)

    Du hast ja vorher schon selbst geschrieben, es sollten nur die Meister der Conferences in einem Playoff-System teilnehmen. Damit schließt du aber im aktuellen Conference-System einige der stärksten Mannschaften des Landes von vornherein aus, brauchst dir ja nur z.B. die Big XII und die SEC angucken. Da wäre also das Conference Championship Game schon von viel höherem Wert, als die darauf folgenden Playoff-Runden gegen “kleine” Teams… Also bräuchtest du mindestens noch ein Wild Card-System und schon hast du wieder noch ne Playoff-Runde mehr.

    Besser wäre aber imho – wenn man denn alles zwecks mehr Fairness umschmeißen wollte – eine Änderung des Conference-Systems und jährlich wechselnde Spielpläne, ähnlich der NFL. Dann müsste aber z.B. Michigan State dann irgendwo in den Westen oder den Süden rüberfahren, statt die jährliche Rivalry gegen die Michigan Wolverines auszuspielen. Darunter leiden dann aber eben wieder viele dieser geographisch bedingten Rivalries, die den Reiz des College Football ausmachen.

    Nochmal zum Abschluss: ich finde, dass das aktuelle System gut ist, denn es berücksichtigt Historie und Rivalitäten und schafft durch die Ansetzung spannender Bowl-Partien eine interessante Postseason. Wenn das BCS-Kartell da etwas offener werden würde und mehr Teams aus den kleineren Conferences einladen würde, dann wäre das meines Erachtens besser als ein kompletter Systemumbau.

  27. Nun ja, es ist richtig, dass in meinem Vorschlag dann richtig gute Mannschaften aussen vor bleiben. In der Big12 oder der SEC ist auch der Zweitplatzierte sicher ein sehr gutes Team. ABER: Sie sind dort eben nicht die beste Mannschaft, sondern erwiesenermaßen schon mal “schlechter” als eine weitere Mannschaft. Deswegen hätten sie dann konsequenterweise den Zugang (die Qualifikation) zur Endrunde leider verpasst…

    Aber gut, wir sehen ja, dieses Thema ist sowieso nicht zu Ende zu diskutieren. Und das macht ja auch den Reiz vom CF aus…

    Ärgerlich bleibt nur, dass in den BCS-Conferences ein Team mit einer Niederlage immer noch alles gewinnen kann, während die Boises, BYUs, TCUs und Utahs dieser Welt mit einer Niederlage schon erledigt sind. das bleibt eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, denn wenn man sich die mal anguckt, wo die drei MWC-Teams gerankt sind, dann wäre – bei derart starken Teams – eine Niederlage “untereinander” eigentlich noch nicht automatisch ein Ausschlusskriterium…

    Anyway, wir werden mal sehen, wie die Saison verläuft. Spannend wird’s allemal…

  28. Super Text,
    hab aber mal ne Frage an alle Leser…..
    Wo bzw. wie kann man in Deutschland NCAA Spiele live oder die Wiederholungen im Internet/Fernsehen sehen?

  29. Zum o.a. Thema. Durchaus einige interessante Punkte dabei…

  30. @chris

    Im TV bei ESPN America und im Internet u.a. bei ESPN360.com