Nachklapp zum Tag der Legenden 2013

Ich wollte noch einmal einen Nachklapp zum „Tag der Legenden“ bringen – der ist zwar inzwischen drei Wochen her, aber solange ich an vier von sieben Wochentagen aus beruflichen Gründen maximal Zeit dazu finde, Screensport zu schreiben (und darüber hinaus auch noch an einigen Wochenenden anderweitig unterwegs bin), müssen solche Dinge länger in der Pipeline warten – mitunter sehr zum Kotzen von Marketingagenturen, die für Blogger Journalistenakkreditierungen besorgen, in der Hoffnung dass diese über das Event so zeitnah schreiben, dass es noch in die Auswertung des laufenden Monats fällt.

Reinhold Beckmann

Reinhold Beckmann,
wartet auf
Michael Schumacher

Der Tag der Legenden ist ein seit 2005 alljährlich stattfindendes Benefizspiel im Millerntorstadion, bei dem ein „Team Hamburg“ gegen ein „Team Deutschland“ antritt. Der gute Zweck ist in diesem Fall ein Verein zur Unterstützung von sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die NestWerk e.V., eine Initiative u.a. des in Hamburg lebenden Reinhold Beckmann.

Während das Spiel selber um kurz nach 14 Uhr begann, startete das Drumherum auf dem Heiligengeistfeld um 11 Uhr, mit einer Reihe von Ständen der Sponsoren, für die Kiddies mit Torwand oder Kleinspielfeld oder auch einigen Verkaufsständen.

Der Prolog zum Spiel begann gegen 12h30 mit der Ankunft der Spieler, die mit Wagen vorgefahren wurden, durch die Zuschauer auf einem per Absperrgitter abgezäunten roten Teppich in ein Pressearreal rein gingen. Im ca. 20x20m großen Presseareal führte der nicht minder abgesperrte rote Teppich in einem weiten Bogen dann in die Spielerkabinen.

Gegen 14 Uhr begann die Präsententation der Spieler auf dem Spielfeld und um kurz nach 14h15 wurde das Spiel angepfiffen – mein erstes Benefizspiel bei dem ich live als Zuschauer dabei war.

Ich bin zwiegespalten inwieweit man beim Spiel selber vor Ort sein sollte. Fußballerisch wird man, so denn es Kabinettstückchen gibt, sicherlich vor dem Fernseher besser bedient. Die Stimmung ist eh relativ austauschbar zu anderen stimmungsmäßig aufgejazzten Sportevents wie Länderspiele, Handball- oder Eishockeyspiele.

Und doch gibt es irgendwas unbeschreibbares, wenn man nach 22 Jahren einen Manni Kaltz wieder rechts mit dem Ball runterrennen sieht. Es läuft einem kalt den Rücken runter, das Hamburger Publikum fängt mit “Manni, Manni”-Rufen an und wartet sehnsüchtig auf eine Flanke.

Wie einige dieser Spieler einen packen, das hat nichts mit dem Alter der Spieler zu tun. Auch bei einem Marius Ebbers, Hamburg-weit mit Sicherheit nicht auf Augenhöhe Kaltz, lief es mir kalt den Rücken runter. Diese Momente, in denen weite Teile des Stadion gemeinsam sehnsüchtig und nostalgisch auf einen ihrer alten Lieblinge blicken, die gibt es nicht im Fernsehen.

Walter Eschweiler

Walter Eschweiler

Den ersten Schauer bekam ich, als unvermittelt Walter Eschweiler in der Mixed Zone für die Presse den roten Teppich herunterging. Eschweiler, inzwischen 78 Jahre alt, besitzt immer noch seinen typischen Gang und seine Haltung, die nahezu prototypisch für einen rheinländischen Diplomaten zu sein scheint.

Walter Eschweiler war einer der ersten Gäste die in die Mixed Zone kam, diesem abgesperrten Areal, bei dem die Presse entlang der Absperrgitter ihre Fotos schießen und Interviews abholen konnten. Die Zuschauer konnten nur von oben, entlang der Treppen rauf zur Südtribüne zugucken und das ließen sie sich trotz immer stärker werdenden Regens nicht nehmen.

Sie mussten knapp eine Stunden warten, bis ihre beiden Lieblinge kamen – Jürgen Klopp und Schirmherr Michael Schumacher räumten mit weitem Abstand den meisten Applaus ab.



Jürgen Klopp, ganz die Rampensau, erledigte professionell die Interviews unter einem durchsichtigen Regenschirm – ihm war nicht anzumerken, das erst am Vortag sein Mentor Wolfgang Frank verstarb. Stattdessen rauschender Beifall und “Jürgen!” oder “Kloppo”-Rufe, Zuschauer die sich über das Treppengeländer beugten, um ein Autogrammheft runterzureichen.

Jürgen Klopp in der Meute

Jürgen Klopp

Michael Schumacher wird immer noch abgöttisch verehrt – ablesbar an zahlreichen Fans die mit entsprechenden Devotionalen vor Ort waren. Michael Schumacher war auch der einzige, sofern ich es richtig mitbekommen habe, der von einer zweiköpfigen Entourage begleitet wurde: eine Art persönlichen Assistenten und einer Person die eher bodyguard-ish wirkte.

Michael Schumacher – beim Betreten der Mixed Zone

Einige weitere Beobachtungen aus der Mixed Zone:

Lothar Matthäus, mal wieder etwas mehr pissig auf die BILD, ging wort- und blicklos an den fragenden BILD.tv-Journalisten vorbei, was jener mit einem leisen Zischen quittierte.

Am Ende des roten Teppichs, kurz vor Eingang in das Stadioninnere, wartete ein Trio von drei lokalen Fotografen, die anscheinend mit so ziemlich jeden auf Du waren und die meisten Gäste stoppten, um Fotos zu schießen.
Es gibt Spieler, die sich einfach hinstellen. Es gibt andere Personen, wie z.B. HSV-Legende Hermann Rieger, die können machen was sie wollen, die Fotografen wollen nur die gestreckten Rieger-Daumen sehen.

Matthias Sammer

Und es gibt andere, die zeigen plötzlich ihre Mannequin-Seite, als sie zum Stehenbleiben aufgerufen werden. Matthias Sammer zum Beispiel. Er zögert 1-2 Sekunden, die Wolljacke kokett unten 2-3 Knöpfe offen, um sich ostentativ knapp drei Sekunden versonnen am Kopf zu kratzen und sich schließlich breitbeinig mit leger gehaltener Anzugjacke den Fotografen zu stellen. Demnächst dann die Winterkollektion im Otto-Katalog.

Regen hielt Sergej Barbarez nicht ab, in kurzen Hosen und mit Strandlatschen vorbeizukommen.

Den Titel des Sixpacks des Tages haben Michael Schulz und Ulf Kirsten unter sich ausgemacht – mit leichten Punktvorteilen für Michael Schulz, dank tiefen V-Ausschnitts.

Was war außerdem noch? Der doppelten Nasenbeinbruch von Claus Reitmaier, den er im Spiel von Michel Dinzey knapp 10 Meter von mir entfernt verpasst bekam und die Frage warum Lou Richter kein eigenes Format im Fernsehen hat.

Und an dieser Stelle, und rechtzeitig (ähem…) vor Monatsablauf, noch einmal der Dank für die Presseakkreditierung an Gillette Deutschland und alles Gute für die NestWerk e.V,

Reaktionen

  1. Wo kann man Kommentare eingeben?

    Nach elf Jahren habe ich die Kommentare im Blog mangels Zeit für Kommentarverwaltung geschlossen. Es kann noch kommentiert werden. Es ist aber etwas umständlicher geworden.

    1. Das Kommentarblog http://allesausseraas.de/, aufgezogen von den Lesern @sternburgexport und @jimmi2times
    2. Sogenannte „Webmentions“ mit einem eigenen Blog. Siehe IndieWebCamp
  2. Hey, 51 Minuten vor der Zeit. Das wird ja wohl reichen.

    Und immerhin hat dieser Text mir zum ersten Mal in meinem Leben annähernd das Gefühl vermittelt, der Besuch eines solchen Benefizspiels könnte spannender sein, als sich an einem schwülen Sommertag in die Küchenecke zu setzen und dem Linoleum zuzuschauen, wie es sich wellt. Insofern hat sich das Warten ja wohl gelohnt.

  3. stimmt schon, mit der nötigen ironischen Distanz hat so ein Event einen gewissen Charme.
    nichts für mich, aber trotzdem.

    Und danke für die interessanten Medieneindrücke.

  4. Danke für den Absatz zu Matthias Sammer. Seit die Jungs vom Flatterball mal auf seine Ähnlichkeit zum primären männlichen Geschlechtsorgan hinwiesen finde ich ihn noch lächerlicher.

  5. […] FCI) Roberto Mancini wird Coach bei Galatasaray Istanbul. (Spiegel) + + + Benefizspiel: Kai Pahl (allesaussersport) über den Tag der Legenden. + + + Windschief: Die Clubfans United über ein Spiel mit zwei […]

  6. Danke für deinen Bericht, dogfood!

    Und auch Danke an Gilette Deutschland.

  7. Hehe Lou Richter…

    “SAU” *Wasserglas auf Scheibe ausleer*