Paris St. Germain – Évian TG 4:0, von drinnen

Im zweiten Spiel des 16ten Spieltages trafen am Samstagnachmittag der PSG auf Évian TG. Nach einigen Unentschieden und Niederlagen in den letzten fünf Spieltagen ist der PSG von der Tabellenführung auf Platz 4 gerutscht. Évian ist letztes Jahr aufgestiegen und konnte sich sehr gut im Mittelfeld halten. Aber nach zahlreichen Abgängen vor der Saison ist bei Évian diese Saison Abstiegskampf angesagt und nach der Partie rutschte man nach der Niederlage beim PSG und dem Punkt von Sochaux gegen Lille auf einen Abstiegsplatz runter.

Der PSG ist mit Fast-Bestbesetzung ins Spiel gegangen, also mit Ibrahimovic. Pastore wird verzweifelt versucht in die Mannschaft zu integrieren und Thiago Motta hat nach Verletzung sein erstes Ligue 1-Spiel seit Mitte November und sein fünftes in dieser Saison bestritten. Nene wurde wegen seines Verhaltens auf der Ersatzbank beim letzten Champions League-Spiel abgestraft und aus dem Kader geschmissen – nachdem Ancelotti ihn gegen Porto noch einwechselte. Hmmm.

Um es vorwegzunehmen, das gestrige 4:0 des PSGs, vor 39.300 Zuschauern, wird von den hiesigen Medien ziemlich abgefeiert und ich kann es nicht nachvollziehen. Die L’Équipe schwärmt von einem Team das sich gefunden hätte – just das wird einer meiner Kritikpunkte werden. Die L’Équipe vergibt die Bestnote (8 von 10) an Pastore – der für mich gestern eher einen spielerischen Offenbarungseid abgeliefert hat. Ich scheine mich also mit meiner Meinung in der Minderheit zu befinden.

Évian spielte in der ersten Halbzeit wie ein Absteiger der darum bettelte schon zur Weihnachtspause aus der Liga geschmissen zu werden. Neun Feldspieler warteten vor dem Strafraum auf die PSG-Angriffe. Kein Pressing, kein Angriff auf den ballführenden Spieler. Zur Entlastung wurden die Bälle nur nach vorne gebolzt. #20 Sagbo als Stürmer 30 meter weiter vorne, war auf sich alleine gestellt. Dieses Évian hätte sogar in der deutschen Zweiten Liga Probleme und wäre ein Argument für die Einführung einer Mercy-Rule.

Der PSG dominierte zwar, wusste aber wenig mit seiner Dominanz anzufangen. Obwohl man viel Qualität auf den Flügeln hat, trieb das Spiel immer wieder gen Zentrum, wo es zu eng wurde und selbst die Angsthasen von den Alpen keine Probleme hatten, zu verteidigen. Spielintelligenz beim PSG nahe null. Eher brach man sich beide Beine beim Versuch mit drei Mann auf zwei Quadrametern sich mit Kombinationsspiel durchzufummeln, statt die freien Räume zu suchen. Die beiden Tore zur 2:0-Führung fielen prompt als der PSG schnell über die Flügel kam und Évian damit auseinanderriss.

Das 1:0 nach Hacken-Doppelpass auf dem rechten Flügel zwischen Jallet und Pastore, Flanke und Ibrahimovic grätscht im 5m-Raum die Flanke rein (28te). Das 2:0 zwei Minuten später, als Ménez auf links das Spiel schnell macht, nach einer Drehung einen langen Pass in den Strafraum gibt. Ibrahimovic lässt den Ball mit der Brust abtropfen und Lavezzi nimmt den Ball an, geht 1-2 Schritte und zieht aus 13m ab.

Zweite Halbzeit

Die zweite Halbzeit wirkte fast wie eine Bizarro-Ausgabe der ersten Halbzeit. Lag es daran das Évian nun mehr drückte oder PSG nen ruhigen Stiefel spielte und Évian kommen ließ um zu kontern? Jedenfalls spielten sich weite Teile der zweiten Halbzeit in der PSG-Hälfte ab und der PSG zeigt, dass Abwehr und Spielaufbau sehr wackelig sind, wenn man sie bei Ballannahme und Ballkontrolle unter Druck setzt. Évian konnte die zahlreichen Ballverluste auch dicht vor dem Strafraum nicht nutzen, da sie die Torgefährlichkeit eines feuchten Handtuches besassen.

Das mit den Kontern der Pariser klappte erst gegen Ende der Partie, als man nicht mehr so stark gepresst wurde und das Mittelfeld sauber anspielen konnte. Da gab es dann hinreichend Gelegenheit über Außen oder Pässe durch die Nahtstelle Konter zu initiieren. So fielen das 3:0 von Thiago Motta und 4:0 durch den frisch eingewechselten Gameiro. Das 3:0 in der 84ten Minute als Ibrahimovic mit einen langen Pass Pastore auf rechts schickt. Pastore spielt den Ball in den Rückraum des Strafraums und Thiago Motta verwandelt die Vorlage aus 8 Metern.Wieder 2 Minuten später der nächste Treffer: 4:0. Ein langer Abschlag von Sirigu. Ibrahimovic täuscht die Ballannahme an, lässt den Ball passieren, rennt dem Ball hinterher, schiebt ihn nach halb link szu Ménez und Ménez passt in den 5m-Raum rein, wo der mitgerannte Gameiro in den Pass reinläuft.

Évians Genick war längst gebrochen und in den verbleibenden 4-5 Minuten bis Abpfiff hätte Évian leicht noch zwei weitere Tore kassieren können.


Geht es nach diesem Spiel, ist Paris meilenweit von einer europäischen Spitzenmannschaft entfernt. Diese Mannschaft ist eine Ansammlung hervorragender Individualisten, die aber kein Team sind. Der PSG wirkt wie eine Ansammlung von erfolgsorientierten Dienstleistern. Ich könnte keine zwei Spieler nennen die gut miteinander harmoniert haben. Und wenn ich mit vorgehaltener Pistole zwei nennen müsste, dann wären es #18 Ibrahimovic und #11 Lavezzi – zwei Spieler die von den Pariser Fans prompt ins Herz geschlossen wurden.

Ein ganz trauriger Fall ist der 42 Mio-Einkauf Pastore, der wie ein vereinsamter Eintänzer auf dem Ball der Einsamen Herzen wirkt. Er sitzt an Tisch 27 und keiner ruft ihn an, während die Kapelle die nächste Tanzmelodie aufruft. Inzwischen auf Rechtsaußen abgeschoben und isoliert, geht keiner auf seine Ideen ein. Ideen die meistens in Ball-Abtropfen oder Doppelpass bestehen. Den genialischen Pass traut er sich da draußen kaum noch. Sein Positionsspiel ist übel: selten anspielbar, desinteressiert an der Defensivarbeit, desinteressiert am Job seines Hintermannes Jallet. Dazu kommt fehlende Geschwindigkeit und fehlender Antritt auf den Flügeln.

Das er in diesem Spiel trotzdem Traumnoten kassiert, lag an den beiden Torvorbereitungen, die sich auf dem Papier gut machen, aber verdecken, was Pastore die restliche Zeit abgeliefert hat. Der Doppelpass mit Jallet übertüncht, das zwischen den beiden ansonsten wenig ging. Nicht umsonst wirkten beide Torvorbereitungen eher wie von “außen” auferzwungen: der lange Pass von Ibrahimovic der ihn schickt und der Doppelpass von Jallet eingeleitet – wenn Pastore offensichtlich etwas liebt, dass ist es Doppelpass-Gedaddel, egal ob da jemand steht oder nicht.

Lavezzi, Ménez und Ibrahimovic geben ein quirliges Angriffstrio ab, das häufig Positionen rochiert. Aber Ménez funkt nicht auf der gleichen Wellenlänge wie die anderen beiden und kann viel Ballbesitz nicht sinnvoll in Anspiele oder Torchancen ummünzen. Sein übergroßer Egoismus hilft da nicht weiter. Im Gegensatz zu Pastore nimmt er aber noch am Spiel teil – wird angespielt und bemüht sich was aus dem Ball zu machen.

Ibrahimovic. Ahh, Ibrahimovic. Es gibt solche Dienstleister und solche Dienstleister. Ibrahimovic ist eine coole Sau mit einem Selbstbewusstsein, das an Arroganz grenzt, dass er sich aber erlauben kann, weil er nicht nur Torgefahr ausstrahlt, sondern auch Torchancen einleitet. Ibrahimovic war an allen vier Toren beteiligt. Der Funke ist längst auf die Fans übergesprungen. Sie feiern ihn für Spektakel. Sie feiern ihn für die Vorarbeiten. Sie wissen das hinter Ibrahimovics lässiges Schlürfen entlang der Abseitslinie Substanz steckt. Wenn Ibrahimovic im Strafraum an den Ball kommt, stehen alle Zuschauer schon mal prophylaktisch auf.

Am Samstag erschien in der L’Équipe ein Interview mit einem TV-Regisseur der für Canal+ die Ligue 1-Übertragungen leitet. Auf die Frage nach einer Fixierung auf Ibrahimovic in den Übertragungen mit dem PSG antwortet der Regisseur Laurent Lachand:

Man sollte nicht in eine “Zlatan-Abhängigkeit” verfallen. Aber der Typ ist ein Segen für uns und es ist ein Riesenglück ihn in Frankreich zu haben. Es ist ein Spektakel in jeder Hinsicht. Wenn er Tore erzielt und dabei die Menschen um ihn mit diesem herausfordernden Blick ansieht, das sind unglaubliche Kamerabilder. Er ist ein Schauspieler. Kein Schauspieler im Sinne von “Schwalbenkönig”, aber er kennt sein Talent und mag es mit dem Publikum zu kommunizieren.

Er spielt nicht mit den Kameras, aber mit dem Publikum im Stadion […] Er hat es nicht nötig für die Kameras irgendwas zu machen, denn die Kameras richten sich eh auf ihn. Wenn man ihn filmt, ist es faszinieren zu sehen, wie weit der Mann über das eigentliche Spiel hinausragt.

aus: Interview mit TV-Regisseur Laurent Lachand, L’Équipe, 8.12.2012

Ancelotti ist jetzt ca 50 Wochen Trainer beim PSG. Nehme ich die Partie gegen Évian zum Maßstab, ist das Team unter ihm nicht sehr weit gekommen. Es ist keine Spielidee vorhanden. Es wirkt mehr wie ein Verwalten des Spielermaterials das er von Leonardo aufgedrückt bekommen hat.


Der Prinzenpark liegt im 16ten Arrondissement von Paris, im Südwesten und neben dem 8ten der reichste Bezirk von Paris. Das Stadion ist auf dem Betondeckel des Stadtautobahnringes gebaut, aber ansonsten von Wohngebiet umgeben. Man spaziert durch die typischen Pariser Altbaustraßen, und die Eingänge lassen erahnen, dass es keine armen Bevölkerungsschichten in St. Cloud, Auteuil und Boulogne sind, biegt um die Ecke und plötzlich erhascht man einen Ausschnitt des Stadions.

Ich hatte mir die Eintrittskarte am Donnerstag an den Champs d’Élysées in der dortigen PSG-Boutique gekauft. Über zwei Stockwerke kann man sich in einem relativ engen Laden Trikots und andere Fan-Devotionalien kaufen, Trikots beflocken lassen und Tickets kaufen. Die Tickets reichen von 35 Euro in den Ecken des Stadions über 50 Euro auf der Gegengerade, 60 Euro auf der Haupttribüne bis hin zu den Plätzen an der Mittellinie für 70 bis 90 Euro. Kinder-Tickets für 20 Euro. Beim Kauf des Tickets ist ein Personalausweis vorzuzeigen und der Name wird auf das Ticket draufgedruckt. Das Ticket kommt mit einer kleinen Papphülle daher.

Ein vergleichbares Ticket hätte mich beim HSV gg Gladbach oder Frankfurt 63,– Euro gekostet (Höhe Strafraumlinie, 15te Reihe von unten). Die Spanne der Tickets liegt beim HSV zwischen 25,– und 63,– Euro, statt zwischen 35 und 90 Euro beim PSG.

Das Stadion liegt mitten in einem Wohnviertel. Als ÖPNV stehen grosso modo zwei Metrolinien zur Verfügung. Da ich aber nicht wusste wie es mit den Menschenmassen aussieht, habe ich mich von der Straßenbahn schon 20 Fußminuten vor dem Stadion absetzen lassen und bin knapp 75 Minuten vor Anpfiff durch das Viertel gegangen. Von einem “Buzz” war nichts zu merken. Das Viertel ging seinen Gang: viele Familien. Man ging noch in den kleinen Läden einkaufen. Erst 5 Fußminuten vor dem Stadion sah ich die ersten eindeutig als PSG-Fans zu identifizierenden Menschen: drei Jugendliche die vor einem Haus warteten.

Drei Fußminuten vom Stadion entfernt, 75 Minuten vor Anpfiff

Das Stadion ist im Umkreis von einem Häuserblock abgesperrt und lässt sich nur mit Eintrittkarte betreten, wobei die Ordner darauf achten frühzeitig die Leute in Richtung der richtigen Eingänge zu leiten, was das um das Stadion herum marschieren erschwert.

Vorteil der Lage mitten in einem Wohnviertel: es gibt prompt direkt gegenüber einem der Stadionein-/ausgänge ein größeres Bistro in dem standesgerechtes Vorglühen stattfindet. Aber man versteht warum es Paris so große Kopfschmerzen bereitet, einen Ausbau der Sitzplatzkapazitäten um 50% durchzuwinken.

Von links nach rechts: Bistro, Gymnasium, Stadion
Knapp eine Stunde vor Anpfiff herrscht noch kein Mörderandrang

Der Stadioneinlass entsprach dem das ich aus Deutschland gewohnt bin: Ticket vorzeigen, Ticket in einen Entwerter reinschieben, Körperkontrolle.

Im Stadioninneren knapp eine Stunde vor Anpfiff: gähnende Leere. Das Innere präsentiert sich als Betonwüste mit einigen Läden für Essen und Trinken, aber keiner der was kaufen wollte. Überall sind kleine TV-Monitore aufgehängt, die per Countdown die “PSG-Show” ankündigen, die eine Stunde vor Anpfiff startet. Oha, derart in die Höhe geschraubte Erwartungen, versuchte ich zu meinem Sitzplatz zu gehen. Block H12.

Ich gehe zum Eingang zu H12, wo mich ein Ordner abweist und zu Block H11 verweist. Am Block H11 schüttelt der Ordner mit dem Kopf und verweist mich zu H12. An H12 erklärt mir der Ordner, dass es ein Fehler beim Ausdruck sei: entscheidend sei die Reihe 15 und die liege nun einmal im Block H11. Am Block H11 erklärt mir der Ordner: nein, entscheidend sei der Sitzplatz 74 und der liege in H12, aber anyway: hier ist eine Platzanweiserin und sie wird mir den Weg weisen.

Ich folge der Platzanweiserin und sie weist mir meinen Platz 74 in Reihe 15 zu. Ein Platz der problemlos sowohl von den Eingängen H11 als auch H12 hätte erreicht werden können, beide Eingänge jeweils 10 Meter links bzw. rechts vom Platz… Die Platzanweiserin bleibt stehen, schaut mich an und erklärt mir, dass es üblich sei, Trinkgeld zu geben. Für eine Platzanweiserin in einem Fußballstadion? Ich dachte es wäre Begleitkontrolle, dass ich nicht versehentlich Chaos ins Stadion bringe, weil ich mich auf Platz 73 hinsetze – anyway, Trinkgeld gegeben.

Die fabulöse “PSG-Show”,
da, in der Bildmitte, auf der Anzeigentafel

Die große “PSG-Show” bestand aus Musikvideos und Werbung auf den beiden Anzeigetafeln. Das erklärt auch, warum eine Stunde vor Anpfiff bei Temperaturen knapp über Null so ziemlich niemand im Stadion war.

Die erste Regung von Fans kam von der Kurventribüne im Norden, als die ca. 50 Ultras den Torhüter von Évian auspfiffen. Nach und nach kommen mehr Ultras. Als der PSG eine halbe Stunde vor Anpfiff sich warm macht, sind es ca. 100 bis 150 Ultras, die den PSG mit der Einlaufmusik von Nirwana unterstützen. In der einen Ecktribüne ist anscheinend ein Kinder/Eltern-Block in denen massenweise die gleichen Fahnen geschwenkt werden und in hohen Tönen geschriehen wird, so das ein Hauch von Frauen-Länderspiel-Stimmung herrscht. Dieser Block im Nordosten ist per Sichtschutz von der Kurve angetrennt. In der anderen Ecktribüne im Nordwesten sind die Auswärtsfans untergebracht, knapp 100 Évian-Fans, geschützt vor den PSG-Ultras durch Fangzäune.

Das Stadion füllt sich nach und nach und eine Viertelstunde vor Anpfiff geht das Funknetz in die Knie – für die Bewohner des Viertels alle zwei Wochen sicherlich eine dufte Erfahrung.

Die Zuschauer kommen recht spät ins Stadion, es ist immerhin Samstag 17 Uhr an einem Weihnachtseinkauf-Wochenende. Die beiden Ultrakurven sind im Oberrang bei Anpfiff zu 70% gefüllt, während im Stadion auch noch während der ersten Viertelstunde viel Bewegung auf den Zuschauerrängen ist.

Ich habe nicht aufgepasst was alles an Getränken ausgeschenkt wird, aber de-facto habe ich keine einzige Person mit Alkohol gesehen. Stattdessen werden Softdrinks in kleine Plastikflaschen und Espressos in kleinen Pappbechern verkauft. Dazu werden, hey, wir sind in Frakreich, Baguettes gegessen.

Das maximalste was die Ultras an optischer Anfeuerung gemacht haben:
Schals hochhalten

Sehr viele haben einen Fanschal, aber ansonsten gibt es keine Transparente und abgesehen von der Kinderecke auch keine Fahnen. Ich habe eine einzige Fahne gesehen und die Ultras haben während des Spiels zwei, dreimal ihre Fanschals in die Höhe gestreckt. Angesichts der durchaus starken Präsenz von Ordnern am und um das Stadium herum, durchaus möglich, dass den PSG-Ultras mehr schlichtweg nicht erlaubt ist. Die Ultras, 700-800 pro Kurve, haben guten Lärm gemacht. Da brauchen sie sich nicht vor den deutschen Kollegen zu verstecken. Die Trennung der Ultras in Auteuil und Boulogne schafft sowohl Konkurrenz als auch gegenseitige Wechselgesänge. Da sieht die Bayern-Anhängerschaft eher blass aus, allerdings scheinen die PSG-Ultras im Oberrang auch von der guten Akustik des Parc des Princes begünstigt zu sein.

Die Stimmung auf den Geraden war dagegen mauer als ich es aus Deutschland kenne. Zwar fußballinteressiert, aber nur wirklich bei Ereignissen (Fehlentscheidung Schiedsrichter, Tor, Foul) wirklich vernehmbar.

Nach Abpfiff drehte sich Ibrahimovic einmal um und verabschiedete sich klatschend von den Fans und ein einziger Spieler (Thiago Silva?) rannte klatschend in die Auteuil-Kurve.

Fünf Minuten nach Abpfiff: sämtliche Rolläden zu

Das Stadion leerte sich in Windeseile und weil das Stadion mitten in einem Wohnviertel liegt, hatten sich die Menschenmassen auch schnell in alle Windesrichtungen verstreut. Nur zehn Minuten später, am Boulevard Exelmans, war nichts mehr von einem Fußballspiel des PSGs zu merken.

Man kann nicht gerade behaupten, dass der neue PSG aus seinen Fußballspielen ein “Event” gemacht hätte. Das Spiel beginnt so unvermittelt wie es aufhört. Ein Drumherum ist außerhalb dessen was Fans vor dem Spiel und vor dem Stadion veranstalten, nicht existent. Und man meint auch zu spüren wie scheißegal es den katarischen Besitzern ist, wenn während der Einspieler auf den Anzeigetafeln Werbung für die katarische Bank QNB läuft – auf englisch, nicht übersetzt.


Eine Frage die beim PSG und den 200 Mio-Investment in das Fußball-Personal mitschwingt: wie kommt der PSG durch das Financial Fair Play durch. Eine These ist inzwischen, dass der PSG von Katar mit einem über 100 Mio Euro schweren Sponsoring versehen wird.

Es soll sich dabei um kein normales Sponsoring handelt, sondern der PSG als “Kulturbotschafter Katars” verpflichtet werden. Während die UEFA normale Sponsorendeals oder Namensrechte-Deals ablehnen kann, weil keine marktgerechten Preise gezahlt werden, entfällt diese Waffe bei einem derartigen Sponsoring: es gibt noch kein Team das als Kulturbotschafter verpflichtet wurde und daher habe die UEFA keine Möglichkeit wegen “nicht-markgerechter Preise” sein Veto zu erheben. Wo kein Präzedenzfall, da keine etablierten Preise. Wo keine etablierten Preise, da keine “nicht-marktgerechten Preise”.

Ob dies wirklich der Weg sein wird, denn der PSG zu gehen versucht und wie die UEFA reagieren wird, wird man abwarten müssen.

  1. Danke für diesen ausführlichen Bericht! Hat so richtig “Sonntagszeitungs-Flair” (im positiven Sinne).
    Erinnert mich (als wenig Stadion-Besucher, und in Frankreich war ich schon gar nicht) doch (auch von den Fotos) an die Allianzarena.
    Musste auch erst mal nachschauen, PSG gibt es ja erst seit 1970, da fehlt natürlich zwangsläufig die Tradition. Könnte mir vorstellen, dass Mourinho/Gourdiola schon Interesse hätten, da was aufzubauen, aber das ist ein anderes Thema.

  2. Ich kann mich nur anschließen: Vielen Dank!

  3. Wow, von mir ebenfalls vielen Dank für diesen Bericht. Sehr interessant und ein bisschen neidisch bin ich ja auch. Ibrahimovic würde ich auch gerne mal live sehen. Ich verfolge den französischen Fußball eher sporadisch von außen, aber ich denke, es wird auch drauf ankommen, wie es die nächsten 2-3 Jahre läuft und ob man dauerhaft erfolgreich sein kann. Ibra könnte da imo auch wichtig werden, weil er eben das Zeug zum Publikumsliebling hat, der eben auch für die emotionale Seite wichtig ist.

  4. Klasse, der Parisaufenthalt bringt uns Lesern einen schönen Mehrwert statt der befürchteten Einschränkungen. Und vermutlich ist es ganz angenehm, sich mal nicht mit der Programmgestaltung unserer liebsten Senderkette beschäftigen zu müssen.

  5. Sehr schöner Bericht, sowohl sportlich, als auch vom Drumherum. Danke.

    Eine Frage bleibt offen: Was hast Du denn jetzt eigentlich gezahlt für die Karte? Gerade so im Vergleich zum HSV.

    Wie läuft das eigentlich: Die Übereinstimmung des aufgedruckten Namens mit Deiner Person wird beim Einlass nicht abgeglichen (würde ja auch ewig dauern)? Kennt jemand die Bandbreite der Anlässe zur Kontrolle? Oder gibt es zufällige Kontrollen?

    Wo ich schon dabei bin: Evian, war das nicht das Team mit relativ bizarren Investoren, aus Japan oder so? Meine mich da an einen launigen 11Freunde-Artikel zu erinnern. Mit volle Kanne Kulturclash. Und einem neuen Stadion in den Niederungen der zweiten französischen Liga mit aberwitzig großen Videowänden.

  6. Herzlichen Dank für die Beschreibung deines Nachmittags in Paris, das solltest du öfters aus ganz Europa tun und uns hier berichten ;-) . Hoffe das lässt deine Brieftasche zu ;-)
    Solche Berichte bereichern den Sonntag nachmittag

  7. “PSG gibt es ja erst seit 1970, da fehlt natürlich zwangsläufig die Tradition”

    Hab ich da die Ironie nicht rauslesen können…? Wenn mehr als 40 Jahre nicht ausreichen, wann ist man denn dann in der Lage “Tradition” zu haben? Unter 100 geht nichts?

  8. Vielen Dank für den Expeditionsbericht. Was mich noch interessieren würde in einem anderen Zusammenhang: wie viele Fans bringt Marseille üblicherweise mit nach Paris? Wie wird deren Anreise kontrolliert? Normale Tickets werden für dieses Spiel nicht an Menschen aus dem Süden Frankreichs verkauft?

  9. Der Effzehn hat immerhin 64 Jahre …

  10. @AAAFan: Noe, war ohne Ironie gemeint.
    Ich dachte da eher an eine intergenerationelle Übergabe der Fan-Unterstützung. Gerade in Großstädten kann man ja manchmal schön differenzieren zwischen den (angeblichen) zugereisten/zugezogenen “Mode-Fans” und den “Einheimischen”.

    Ich gebe aber zu, dass ich hier nur eine These aufstellen wollte.

  11. Vielen Dank für den Bericht. Sehr schöne Beschreibung der Atmosphäre und interessanter Spielbericht.

  12. Danke für den tollen Bericht. War interessant zu lesen.

  13. @Willi: generell gehören die OM-Fans zu den fanatischsten in Frankreich. Wieviele aber davon nach Paris reisen kann ich dir nicht sagen. PSG gegen OL gehört aber zu den risikoreichsten Spielen des französischen Fußballs. Es gab in den letzten Jahren (war es letzte Saison?) bei den Spielen OM–PSG und PSG–OM aus Sicherheitsgründen keinerlei Tickets für Auswärtsfans.

    @AAAFan: das Profi-Sport-Angebot Paris würde ich jetzt nicht unbedingt als herausragend bezeichnen. Gemessen an den Erfolgen und den Hype den der PSG z.B. zu Canal+-Zeiten in den 80er und 90er hatte, ist das schon a bisserl mau.

    @Sternburg: die Karte hat mich 50,– Euro gekostet (daher der Vergleich mit der 63,–-Euro-Karte des HSVs).
    Was die Investoren von Évian angeht: ich habe auch an die Investoren denken müssen, aber ohne es nachgeschlagen zu haben, tendiere ich eher dazu, dass damit das inzwischen untergegangene Grenoble gemeint ist.

    Das größte Problem von Évian, und das macht seine Situation so ein bisschen Hoffenheim/Sinsheim/Zuzenhausen-esk, ist die Verteilung auf drei Städte: Évian, Thonon-les-Bains und Gaillard (das TG in Évian TG). Wo baut man das neue Stadion, wo kommt das Trainingszentrum hin, wo baut man Fans auf… spielt man im nahen, schweizerischen Genf (ist von den Verbänden abgelehnt worden)

  14. Auch von mir vielen Dank für den Exkurs!

  15. Für diesen Reisebericht nur ein Wort: Vielen Dank!

  16. Deine Probleme beim Einlass in den Block haben mich unweigerlich an Asterix erorbert Rom erinnert…

  17. Danke!

  18. Danke auch von meiner Seite, sehr interessant !

  19. @realitycheck: Das dachte ich auch, zumal mir ähnliches arbeitsseitig vor kurzem widerfahren ist. In diesem Fall hätte man nur Ordner H11 zu Ordner H12 schicken müssen und dann über den Zugang H11 den Platz einnehmen. Das hätte dann auch noch das aberwitzige Trinkgeld gespart. Gibt es diese “Einweise” auch bei den Stehplätzen ;-)

  20. Klasse Bericht!

    Den Vergleich zur AA finde ich gut, denn an sich ist die Idee einer geteilten Fankurve gar nicht so schlecht. Wenn es funktioniert wie in Paris, dann ist das ja ein recht gute Sache.

    Waren die Kontrollen auch so lasch wie in Deutschland?
    Gibt es in FR auch eine “Sicherheitsdiskussion” wie bei uns?

  21. Wie wirkte in Deinem Ausschnitt übrigens die Zusammensetzung des Publikums?
    Migranten haben ja nicht nur als Spieler den französischen Fussball nach oben gebracht? Frauen, Familien sind ja in Deutschland ein selbstverständlicher Teil des Publikums? Oder entspricht die Zusammensetzung eher dem Stadtteil, den Gründungsvätern ala Daniel Hechter oder welcher Designer auch immer damals dabei war.

  22. “Das Stadion ist auf dem Betondeckel des Stadtautobahnringes gebaut” – äh, ich hab gerade schwierigkeiten, mir das zu vorzustellen. unter dem stadion verläuft die autobahn oder wie?

  23. Asterix ist eine schöne Assoziation. Ich persönlich hingegen wäre nicht überrascht, wenn sich die Platzanweiserin und die Ordner das Trinkgeld geteilt haben. Klingt arg nach Touri-Abgabe.

  24. *hust* und danke für die Antwort, kai.

    Ich schlugs mal eben nach: Du hast natürlich recht. Japaner: Grenoble (Insolvenz 2011); die Region: ETG (Im Dezember 2008 haben die ehemaligen französischen Nationalspieler Zinédine Zidane, Bixente Lizarazu und Alain Boghossian gemeinsam Anteile an der Kapitalgesellschaft des Klubs erworben).

  25. @nedfuller: “Kontrollen lasch” – Hmm. In meinem Fall ja. Aber: die beiden Ultra-Gruppen Kop de Boulogne und Virage Auteuil sind zerschlagen, aufgelöst bzw. in der alten Form im Stadion nicht mehr präsent. Dazu kommt: keine Fahnen, Bengalos, Doppelhalter oder sonstwas… Ich glaube nicht dass diese Entwicklung der letzten 2-3 Jahre nur auf Basis freundlichen Zuredens möglich war.

    Es hat auch vor einigen Wochen bei irgendeinem CL-Auswärtsspiel wieder Schlägereien zwischen verfeindeten PSG-Ultras gegeben.

    @mik.: Relativ durchmischt. Etwas weniger Frauen als in Deutschland. Kinder nur in der von mir beschriebenen Kinderecke. Das Publikum nicht so posh wie 16tes oder 8tes Arrondissement, aber auch nicht “migranten-lastig” als wäre man im 18ten oder 20ten Arrondissement. Relativ durchschnittliches Publikum wie auch in der Bundesliga – zumindest meinem 50,– Euro-Block nach zu urteilen und den Leuten denen ich bei An- und Abmarsch begegnet bin.

  26. Der PSG kann ja gerne vor den internationalen Sportgerichtshof ziehen wenn die UEFA sagt “Nö ihr kommt hier nicht rein”.

    Dann können sie fröhlich ihre französische Meisterschaft gewinnen und die CL findet ohne sie statt.

    Ich bin jedenfalls guter Hoffnung dass sich Platini nicht auf der Nase rumtanzen lässt. Dafür hat er zu viel Ego – meine ich jedenfalls. Ich kann mir nicht vorstellen dass er für einen Verein in seinem Heimatland irgendwie ein Auge zudrücken würde, dafür glaube ich setzt er das gemachte Nest von 20 weiteren Jahren Vorsitz nicht auf’s Spiel.

    Wobei ich jetzt grad nicht weiß wie das mit der WM-Entscheidung gewesen ist, ob er meint er müsse Blatter noch eins auswischen oder nicht. Gibt’s da ne Einschätzung?

  27. sebastian, ist dir bewußt, was platinis sohn so arbeitet? und was platini sich wohl ausmalt, wie (also: mit wessen geld) er fifa-präsident werden will?

  28. Wesley Sneijder wohl vor dem Absprung zu PSG.

    http://www.stern.de/sport/fussball/sneijder-zieht-es-von-inter-zu-psg-1939584.html

    Eigentlich keine große Überraschung – vor allem, da Inter in der EL spielt und Sneijder somit (auf Antrag) in der CL für PSG spielberechtigt wäre. Wenn ich die Cup-tied-Regeln jetzt richtig begriffen habe.

  29. @Linksaussen: nein nicht wirklich, sonst hätte ich wohl kaum so kommentiert :-)

Das war es mit elf Jahren Kommentaren auf allesaussersport. Ich habe im zunehmenden Maße keinen Sinn mehr gesehen, meine begrenzten Ressoucen auf eine wie auch immer geartete Verwaltung der Kommentare zu verwenden. Es ist an der Zeit einen Schlussstrich zu setzen. Die Kommentare sind und bleiben geschlossen.

Wer aber weiterhin Kommentare schreiben und/oder lesen möchte, für den hat Lesern Sternburg eine Alternative aufgesetzt: http://allesausseraas.de/. Macht dort keinen Unsinn.