Verdrahtet Schiris

Mal bei zwei anderen Sportarten nachgucken was dort in Sachen Schiris up-to-date ist.

In American Football gibt es für jeden Regelverstoß eine eigene Armbewegung und der Hauptschiedsrichter erklärt dem Publikum via Mikro die Entscheidung. Auffällig ist seit 2-3Jahren der Trend der White-Caps bei diffizileren Entscheidungen ausführlichere begründungen zu geben.

Keine schlechte geschichte für den Fußball, da nicht immer ersichtlich was denn nun abgepfiffen worden ist (Abseits? passives Abseits? Stürmerfoul? Zu schnell ausgeführter Freistoß?). Die explizite Erklärung wäre sicherlich too much für ein “fliessendes” Spiel wie Fußball, aber wäre z.B. bei einem Platzverweis angebracht.

Im Rugby ist der Schiri auch mit Mikro verdrahtet. Im Gegensatz zum Football ist aber das Mikro die ganze Zeit offen. So kann man also jeden Kommentar des Schiris am Fernseher hören. Bemerkenswert heute morgen, bei Australien – Schottland. Schotte provoziert Australier durch Tätscheln der Platte, der Australier schubst zurück. Normalerweise ein Fall für eine Zeitstrafe. Aber der Schiedsrichter geht zum Australier, erklärt ihm: “Pass auf, es gibt kein Gelb, weil ich gesehen habe dass du provoziert worden bist. Aber keine Selbstjustiz, der Referee bin ich und verlaß dich dadrauf daß ich eine Strafe aussprechen werde. Also bleib cool”.

Grandiose Schiri-Diplomatie.

Ein derart offenes Mikro könnte als eine Art Kontrolle für Schiri und Spieler dienen. Spieler müssten damit rechnen dass ihre mitunter unflätigen Worte landesweit übertragen werden. Ein kuscheliger, großäugiger Klose der den Schiedsrichter mit “Verficktes Arschloch” tituliert, wird möglicherweise einige Tage später einen Imageschaden zu spüren bekommen, der bei der nächsten verbalen Auseinandersetzung mit dem schwarzen Mann eher zu einem “Ja, Herr Schiedsrichter” führt. Vielleicht setzt es auch der elenden “Rudelbildung” ein Ende.

Umgekehrt würde ein solches Mikro vielleicht Schiris veranlassen ihre diplomatischen Fähigkeiten auszubauen, statt sofort für Nichtigkeiten eine harzige gelbe Karte zu zeigen.

Also: verdrahtet Schiris!

Reaktionen

  1. Wo kann man Kommentare eingeben?

    Nach elf Jahren habe ich die Kommentare im Blog mangels Zeit für Kommentarverwaltung geschlossen. Es kann noch kommentiert werden. Es ist aber etwas umständlicher geworden.

    1. Das Kommentarblog http://allesausseraas.de/, aufgezogen von den Lesern @sternburgexport und @jimmi2times
    2. Sogenannte „Webmentions“ mit einem eigenen Blog. Siehe IndieWebCamp