Vor dem Mittwoch ist nach dem Dienstag (ein Satz den ich dann auch mal irgendwann als Titel verwenden werde, also nicht über Eigen-Plagiate wundern…)
Dementsprechend vor dem Blick auf die heutigen Spiele noch 2-3 Sätze zu Bayern München. Inzwischen wissen wir: Marcel Reif (und ich) hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt.
Ich erkläre hiermit offiziell die Bayern für dieses Jahr abschreiben zu wollen, at least international (vielleicht starten sie in der Bundesliga eine Serie wie letztes Jahr ManU und rollen das Feld von hinten auf…)
Wer noch nicht mal bei 60.000 Jüngern der reinen Fußball-Lehre sich nicht zusammenreißt und derart passiv über das Spielfeld läuft, wie die Bayern es gestern taten, der kriegt in der Saison nichts mehr gerissen.
Zwei Dinge haben mich gestern erschreckt. Ja, man kann sich in Glasgow hinten reindrücken lassen, ohne Frage. Das ist nicht das Problem. Schon eher die derben handwerklichen Schnitzer, den eigentlich technisch starken Hargreaves als Beispiel genommen, der kaum einen Pass anbrachte, oder Jeremies der immer so krachledernd in den Mann ging, als gäbe es kein Morgen mehr. Und das liess sich für quasi jeden Spieler der Byern fortsetzen. Ein Kuffour strahlte Präsenz und Autorität einer Slalomstange aus. Ein Schatten seiner selbst.
Noch erschreckender fand ich aber die geistige Abwesenheit der Bayern. NBA-Coach Phil Jackson beschreibt in seinen Texten sehr schön die ideale Form des Mannschaftsspiel, als einer Art sich selbst ergebender Fluß, bei dem die Einzelspieler zu einer Art Meta-Organismus zusammenwachsen, bei dem jeder automatisch weiß, wie der andere laufen wird, oder wohin der Pass kommen wird.
Das Gegenteil von Jacksons Ideal heißt Bayern. Das meiste waren Einzelaktionen, Standfußball, Rausgedresche weil niemand frei war oder man nicht wusste wo die Mitspieler waren. Es gab nur eine Aktion in der annähernd so etwas umgesetzt wurde. Knapp eine Viertelstunde vor Schluß, der erste Ballkontakt von Pizzaro, der instinktiv mit seinem Laufweg zwischen der Zone von zwei Celtic-Spielern durchflutschte. Als sich diese Spieler auf ihn zubewegten, gab er just im richtigen Moment den Pass auf Hargreaves, der nun an der Seite “bewacherlos” war.
Wir befinden uns immerhin knapp bei Saisonmitte, und dass sich das noch nicht entwickelt hat, hat mich richtiggehend erschreckt. Das ist nichts was sich mit mangelnder Fitness von Ballack oder irgendwelchen abwesenden Spielmachern zu tun. Da stimmt es tiefergehend nicht in der Mannschaft. Möglicherweise weil zuviele Spieler ihren eigenen Stiefel herunterspielen, beispielsweise Lizarazu und Sagnol die wie Fremdkörper erscheinen.
War das schon erschreckend genug, war das grausamste an diesem Abend die Realitätsverzerrung die Kahn, Ballack und Hitzfeld verbal vortrugen. Als hätte es keine Probleme gegeben, wurde die Leistung der Bayern als gut befunden, das “sich hinten reindrücken lassen” als in Glasgow gottgegeben hingenommen. Wie eiskalt mannschaftsintern kalkuliert wurde, zeigte sich daran, dass jedermann schnell über das Lyon-Ergebnis und dessen Bedeutung wusste, fast so, als wüsste man, dass man auf Fremdhilfe angewiesen sein würde. Die eigene Schwäche prophylaktisch billigend in Kauf genommen.
Ich glaube Hitzfeld weiß um die Probleme und weiß dass diese Saison nicht mehr drin ist. Wo bei Kahn und Ballack der Zustand gesundgeredet wurde, war bei Hitzfeld offene Freude zu erkennen. Hitzfeld ist einer der verschlossensten Trainer der Liga und gleichzeitig der Trainer aus dessen Verhalten, Mimik und Gestik sich am meisten herauslesen läßt.
Und seine Augen haben gelacht, er war fröhlich, er redete wie ein Wasserfall. Dem ist ein ganzer Steinbruch vom Herz gefallen. Der Mann weiß dass dies, wider Erwarten, wieder nur eine Übergangssaison ist. Sein Ziel: irgendwie ins Achtelfinale stolpern und dann auf das Losglück hoffen und sich irgendwie so weit wie möglich durchmogeln.
Ansonsten fielen die Ergebnisse gestern so aus, das man sich fragt wie man das in vierzehn Tagen alles sehen soll: in drei von vier Gruppen ist noch alles offen. In Gruppe A (Celtic, Anderlecht, Bayern) und Gruppe B (Lok, Arsenal, Inter, Kiew) haben wir ein “4-way-race” und in Gruppe C kommt es zu einem Endspiel zwischen Eindhoven und La Coruna, wobei erstere besser als 2:0 spielen müssen um den direkten Vergleich gegen die Spanier gebacken zu bekommen .
Womit wir uns nun endlich den heutigen Spielen zuwenden wollen, also, zählen wir runter (bzw. rauf) …
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