Nach’m Wochenende, is’ vor der Woche

Technische Probleme (Stichwort fuckin’ Schriftenverwaltung) führten dazu, dass ich nicht wirklich viel von den Spielen am Sonntag mitbekommen habe. Weder Fußball noch Football.

Zum Thema EM-Auslosung ist so ziemlich alles gesagt was es zu sagen gibt. Nach dem ganzen sonntäglichen Analysten- (müsste es eigentlich nicht “Oralysten” heißen?) Gelaber wissen wir, dass die Letten die “Titanen” (Berti Vogts würde von “Brasilianer” sprechen) des Baltikums sind. Ergo ist Deutschland krassester Außenseiter in der Gruppe.

Die Sonntagsergebnisse in der Bundesliga waren so, dass ich sagen würde: Interessant.

Wird Stevens bis Weihnachten durchkommen? Dass er sich nicht Interviews stellte, könnte mit der BamS-Homestory zu tun haben, die die BamS entgegen einer stillschweigenden Absprache mit Stevens gebracht hat (Verwandte von Stevens wurden u.a. mit “Stevens ist zu schade für Hertha” zitiert + fotographiert).

In Dortmund ist Matthias Sammer nicht sakrosankt. Spätestens nach dem Ausscheiden gegen Sochaux (auch hier, wie bei allen BVB-Niederlagen: nicht so sehr das Ergebnis, mehr die Art und Weise wie man filetiert wurde) wurde die Artillerie in Position gebracht.

Das ganze Elend des BVBs läßt sich gut in den Artikeln von Schwatzgelb.de nachlesen.

Spielbericht Sochaux: Licht aus, Vorhang runter
Spielbericht Rostock: … und wir verlieren jedes Spiel
Wirtschaftsmaschine Borussia: Der Kunde als König und der Fan als sein Hofnarr?

So locker wie die Borussia nach aussen hin tut, scheint man das UEFAcup-Aus nicht wegstecken zu können, denn man denkt wieder darüber nach, die Namensrechte am Westfalen-Stadion zu verkaufen (siehe Meldung von SchwatzGelb.de nach).

Und nur so am Rande: was ist denn eigentlich mit dem rechten Ohr von Jupp Heynckes passiert, dass es so merkwürdig nach außen gedellt ist?

Reif über gelebten Marxismus

Marcel Reif, jeden Sonntag in einer Bundesliga-Kolumne im TagesspiegelLive aus dem Stadion“, schreibt diesmal zum 14ten Spieltag:

[…] In Zeiten ungebremsten Brutalo-Kapitalismus ist ausgerechnet in der deutschen Fußball-Bundesliga ein Stück gelebter Marxismus zu beobachten: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Belege? Bitte schön: Mit Scheinen schafft der FC Schalke 04 ein ganz besonderes Bewusstsein, nämlich jenes, das die Gegenwart nicht zählt, sondern nur eine ungewisse Zukunft. Jedes Transferbegehren kann schließlich auch als Misstrauensvotum an die derzeitige Mannschaft gewertet werden. So spielt sie auch […] Und dass so ein Junge, wie der Bursche Hinkel, nicht dem Lockruf des Geldes erliegt, ist fast schon die nächste Ohrfeige fürs Kapital. Das Sein, nämlich Erfolg und Spaß in Stuttgart, bestimmt sein Bewusstsein.

Na, Kuranyi?

Verlaufsoffener Samstag

Das war ja ein richtig amüsanter Bundesliga-Spieltag. An normalen Spieltagen kann man sich locker durch 5 bis 7 Spiele zappen, heute bin ich nicht weiter als zu Spiel 3 gekommen.

Bei HSV – Bremen gab es eine grausige erste Halbzeit der Hamburger, die dann nach Jekyll/Hyde-Manier aus der Kabine kamen und, klassische Reporter-Floskel, über den Kampf ins Spiel zurückfanden. Das war spielerisch nicht vom obersten Regal, aber überaus spannend, zumal es auch immer heißer her ging und mit der Zeit dann auch diverse Feuerzeuge, Handys und Fotoapparate aufs Feld flogen. Am Ende, nicht ungerecht, 1:1

Bayern – Köln hatte ich eigentlich nicht richtig auf dem Radar, bekam aber mit wie Wolff Fuss beim 0:1 von Voronin beherzt zwei bis drei Stimmbänder opferte. Als den Kölnern sogar nach Rückstand noch das 2:2 gelang, wurde es endgültig packend.

Die Bayern duchaus primitiv spielend, die Bälle immer wieder hoch in den Strafraum rein dreschend. Es ähnelte dem Spiel in Glasgow. Die Laufwege stimmen nicht. Die Verunsicherung ist selbst bei Ballack mit den Händen greifbar, zog es vor den sicheren Kurzpaß zu spielen, statt Geniestreiche zu produzieren. Allenfalls Pizarro ragte heraus. Ich finde im übrigen schon die Trikots der Bayern bedenklich: wozu brauchen Leistungssportler bei kaltem Wetter Rollkragen? Die Kölner ermauerten sich ein verdientes 2:2.

Bochum – VfB war aber eine richtig derbe Partie. Beide Mannschaften sind das Feld nur so rauf- und runtergelaufen als würden sie per Kilometergeld entlohnt werden, jeder Ball wurde bis auf die Zähne verteidigt. Nur richtig brandgefährliche Chancen vor dem Tor, die waren Mangelware. Aber wie Roland Evers in der PREMIERE-Zusammenfassung von einem “wenig aufregenden Spiel” fabulieren kann, ist mir nicht begreiflich. Drittes Unentschieden.

Nachtwache

Diese Woche in der Nacht aufzustehen um NBA zu sehen, das war kein Spaß. Zweimal riesige Klatschen. Erst Pacers – Timberwolves 98:75, die Timberwolves haben bis auf Kevin Garnett nur Backsteine geworfen.

Und heute nacht die Lakers – Spurs 103:87, wobei die Lakers im dritten Viertel phasenweise mehr als 30 Punkte Vorsprung hatten. Die Spurs hatten eine Wurfquote von roundabout 30%, die Lakers lagen bei 60%. Ohne Worte. Das war ein Trainingsspiel, bei dem sich die Lakers unterm Korb die Bälle durchstecken konnten, als wären die Spurs nicht in der Halle. Überhaupt nichts zu sehen von den Defense-Problemen der Lakers, die zuletzt bei den Auswärtsspielen zu beobachten waren.

Merkwürdig waren einige Zuschauerkommentare auf PREMIERE, die die Spurs auf die ganze Saison betrachtet, schlechter einschätzen als die Mavericks. Wenn man sich die Bank der Spurs ansieht, kann man das gar nicht glauben. Das eher mäßige Abschneiden zu Beginn der Saison, hake ich unter Eingewöhnungsschwierigkeiten ab. In den letzten 10 Spiele waren die Spurs (6-4) nicht sehr viel schlechter als die Mavs (7-3).

Dirk Nowitzki hat eine Knöchelverletzung und wird noch einige Spiele fehlen. Die genaue Länge ist nicht bekannt. Unterdessen zeichnen sich erste Auswirkungen vom neuen Kader auf Nowitzki ab. Ist seine Wurfquote einigermaßen mit letztem jahr vergleichbar, so nimmt er weniger Würfe und ist in Points per Game auf das Niveau der Saison 99/00 abgerutscht. Die verstärkt auftretenden Knöchelprobleme deuten vielleicht auf körperliche Ermüdungserscheinungen hin. Ob es wirklich nur an der Europameisterschaft liegt…

Thanksgiving Football Zwo

Neben dem ovalförmigen Ball, wird heuer auch der runde wieder getreten.

Ich denke die hier lesenden sind hinreichend über die heute anstehenden UEFA-Kicks informiert Sochaux – Dortmund und Kopenhagen – Schalke. Die BILD-Zeitung versucht letztere Partie zum Heynckes’schen Schicksalsspiel hochzujazzen, nachdem anscheinend die Halbwertszeit von Rummenigges Seitensprung bei zwei Tagen lag.

Nein, ich möchte das Augenmerk auf die heute beginnende U20-WM in den Vereinigten Arabischen Emiraten lenken. Eine Tendenz der letzten Jahre war im Internationalen Fußball die Aufwertung von “Nebenturnieren”, wie Frauen-WM oder Junioren-WMs. Nicht nur durch vermehrte Übertragungen, sondern weil wirklich ansehnlicher Fußball abgeliefert worden ist. Kleine Ausnahme ist der Afrika-Cup. Seitdem den Afrikanern gesagt wurde, dass sie gut sind, sieht man im Januar/Februar ein Haufen grottenschlechter Spiele, bei dem inzwischen europäischer gespielt wird, als in Europa selber. Ach, wenn man die Jungs bloß mal wieder von der Kette lassen würde…

Das DSF überträgt die Spiele (zirka zehn Spiele pro Woche) und hat alle Informationen auf eine Webseite gepackt. Siehe auch die offiziellen FIFA-Webseiten. Kommentatoren sind Markus Götz, Wolff Fuss und Hans-Joachim Wolff (letzterer wohl nicht verwandt mit Wolff Fuss, harhar, Insider-Scherz), eine durchweg gute Truppe.

Die Spieler aus dem deutschen Kader sind mir fast alle absolut unbekannt. Ausnahme ist der Verteidiger Alexander Huth, den ich 1, 2x beim “FC Spartak Chelsea” habe einen grundsoliden Kick abliefern sehen. Die Mannschaft von Uli “Karo-Jacket” Stielike tritt etwas geschwächt an, da einige Spieler mit Rücksicht auf ihre Profi-Karriere nicht nominiert wurden, wie Volz (Fulham), Lahm (VfB), Hanke (S04) und Riether (Freiburg). Trotzdem enthält der Kader noch drei Spieler die nicht in deutschen Landen spielen (neben Huth auch Kneißl, ebenfalls Chelsea und Stürmer Patschinsky/Viborg FF) Stilike definierte als Ziel ins Achtelfinale zu kommen.

Es gibt sechs Gruppen mit je vier Mannschaften. In Gruppe F befinden sich Deutschland, Südkorea, Paraguay und die USA. Funny, zwei Playoff-Gegner der Deutschen von der “Erwachsenen-WM” letztes Jahr. Von den 24 Mannschaften qualifizieren sich 16 für die Playoffs: die beiden erstplazierten aus jeder Gruppe plus die vier besten Drittplazierten. Das Endspiel ist am 19.12.

Spiele

Alle Übertragungen im DSF, live oder aufgezeichnet
Do., 17h30 Ver. Arabische Emirate – Slowakei (ich weiß, “Killer-Spiel” buchstabiert man anders)
Fr., 14h40: Argentinien – Spanien; 16h45: Brasilien – Kanada
Sa., 14h40: Paraguay – USA; 17h20: Südkorea – Deutschland
Mo., 14h40: Mali – Spanien; 17h30: Tschech.Rep. – Brasilien
Di., 14h40: Deutschland – USA; 17h30: Südkorea – Paraguay
Do., 14h40: Brasilien – Australien; 17h30: Spanien – Uzbekistan
Fr., 14h40: Deutschland – Paraguay; 17h30: USA-Südkorea od. Kolumbien-England

Championsleague-Countdown 26.11.

Vor dem Mittwoch ist nach dem Dienstag (ein Satz den ich dann auch mal irgendwann als Titel verwenden werde, also nicht über Eigen-Plagiate wundern…)

Dementsprechend vor dem Blick auf die heutigen Spiele noch 2-3 Sätze zu Bayern München. Inzwischen wissen wir: Marcel Reif (und ich) hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt.

Ich erkläre hiermit offiziell die Bayern für dieses Jahr abschreiben zu wollen, at least international (vielleicht starten sie in der Bundesliga eine Serie wie letztes Jahr ManU und rollen das Feld von hinten auf…)

Wer noch nicht mal bei 60.000 Jüngern der reinen Fußball-Lehre sich nicht zusammenreißt und derart passiv über das Spielfeld läuft, wie die Bayern es gestern taten, der kriegt in der Saison nichts mehr gerissen.

Zwei Dinge haben mich gestern erschreckt. Ja, man kann sich in Glasgow hinten reindrücken lassen, ohne Frage. Das ist nicht das Problem. Schon eher die derben handwerklichen Schnitzer, den eigentlich technisch starken Hargreaves als Beispiel genommen, der kaum einen Pass anbrachte, oder Jeremies der immer so krachledernd in den Mann ging, als gäbe es kein Morgen mehr. Und das liess sich für quasi jeden Spieler der Byern fortsetzen. Ein Kuffour strahlte Präsenz und Autorität einer Slalomstange aus. Ein Schatten seiner selbst.

Noch erschreckender fand ich aber die geistige Abwesenheit der Bayern. NBA-Coach Phil Jackson beschreibt in seinen Texten sehr schön die ideale Form des Mannschaftsspiel, als einer Art sich selbst ergebender Fluß, bei dem die Einzelspieler zu einer Art Meta-Organismus zusammenwachsen, bei dem jeder automatisch weiß, wie der andere laufen wird, oder wohin der Pass kommen wird.

Das Gegenteil von Jacksons Ideal heißt Bayern. Das meiste waren Einzelaktionen, Standfußball, Rausgedresche weil niemand frei war oder man nicht wusste wo die Mitspieler waren. Es gab nur eine Aktion in der annähernd so etwas umgesetzt wurde. Knapp eine Viertelstunde vor Schluß, der erste Ballkontakt von Pizzaro, der instinktiv mit seinem Laufweg zwischen der Zone von zwei Celtic-Spielern durchflutschte. Als sich diese Spieler auf ihn zubewegten, gab er just im richtigen Moment den Pass auf Hargreaves, der nun an der Seite “bewacherlos” war.

Wir befinden uns immerhin knapp bei Saisonmitte, und dass sich das noch nicht entwickelt hat, hat mich richtiggehend erschreckt. Das ist nichts was sich mit mangelnder Fitness von Ballack oder irgendwelchen abwesenden Spielmachern zu tun. Da stimmt es tiefergehend nicht in der Mannschaft. Möglicherweise weil zuviele Spieler ihren eigenen Stiefel herunterspielen, beispielsweise Lizarazu und Sagnol die wie Fremdkörper erscheinen.

War das schon erschreckend genug, war das grausamste an diesem Abend die Realitätsverzerrung die Kahn, Ballack und Hitzfeld verbal vortrugen. Als hätte es keine Probleme gegeben, wurde die Leistung der Bayern als gut befunden, das “sich hinten reindrücken lassen” als in Glasgow gottgegeben hingenommen. Wie eiskalt mannschaftsintern kalkuliert wurde, zeigte sich daran, dass jedermann schnell über das Lyon-Ergebnis und dessen Bedeutung wusste, fast so, als wüsste man, dass man auf Fremdhilfe angewiesen sein würde. Die eigene Schwäche prophylaktisch billigend in Kauf genommen.

Ich glaube Hitzfeld weiß um die Probleme und weiß dass diese Saison nicht mehr drin ist. Wo bei Kahn und Ballack der Zustand gesundgeredet wurde, war bei Hitzfeld offene Freude zu erkennen. Hitzfeld ist einer der verschlossensten Trainer der Liga und gleichzeitig der Trainer aus dessen Verhalten, Mimik und Gestik sich am meisten herauslesen läßt.

Und seine Augen haben gelacht, er war fröhlich, er redete wie ein Wasserfall. Dem ist ein ganzer Steinbruch vom Herz gefallen. Der Mann weiß dass dies, wider Erwarten, wieder nur eine Übergangssaison ist. Sein Ziel: irgendwie ins Achtelfinale stolpern und dann auf das Losglück hoffen und sich irgendwie so weit wie möglich durchmogeln.

Ansonsten fielen die Ergebnisse gestern so aus, das man sich fragt wie man das in vierzehn Tagen alles sehen soll: in drei von vier Gruppen ist noch alles offen. In Gruppe A (Celtic, Anderlecht, Bayern) und Gruppe B (Lok, Arsenal, Inter, Kiew) haben wir ein “4-way-race” und in Gruppe C kommt es zu einem Endspiel zwischen Eindhoven und La Coruna, wobei erstere besser als 2:0 spielen müssen um den direkten Vergleich gegen die Spanier gebacken zu bekommen .

Womit wir uns nun endlich den heutigen Spielen zuwenden wollen, also, zählen wir runter (bzw. rauf) …
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Reif für die Championsleague

Halbzeitpause in der Partie Lok Moskau – Dynamo Kiew (2:1), eine sehr sehenswerte und flott geführte Partie. PREMIERE macht eine Vorschau auf das Bayern-Spiel und es gibt ein langes Interview mit Marcel Reif, der später auch das Spiel kommentieren wird.

Das Gespräch muss man gesehen haben: die Augen von Reif leuchteten wie ich es schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben und er lehnt sich sehr, sehr weit aus dem Fenster, so wie ich es von Reif seit langer Zeit nicht gehört habe.

Ganz aufgeregt vertritt er die Ansicht, dass die Bayern heute was reißen werden. Der Streit zwischen Hoeness und Ballack? Von Hoeness in Absprache mit Hitzfeld inszeniert um den lethargischen Ballack an die Eier zu packen (to speak with Kahn). Reif beobachtet eine Wagenburg-Mentalität (“Wir gegen den Rest der Welt”) aus der heraus die Bayern immer am besten spielt.

Interessant war auch die Meinung von Reif, dass die Bayern nach der Saison einen radikalen Schnitt machen und etliche neue Spieler einbauen werden. Der Gedanke ist mir vor einigen Tagen auch gekommen, als ich gehört habe, dass man hinter Herthas Arne Friedrich wäre, für dessen Position man mit “Willy” Sagnol eigentlich bereits einen jungen Starter hat. Ich konnte mir das nur damit erklären, dass Sagnol stagniert und nicht die Autorität auf dem Platz rüberbringt, die er eigentlich inzwischen entwickelt haben müsste. D.h. das ein Vertrag mit Arne Friedrich ebenso das Ende von Sagnols Bayern Zeit bedeutet, wie Tobias Rau das Ende für Lizarazu einläutet.

Man wird sehen ob der selten derart vital zu beobachtende Marcel Reif sich nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und rausstürzt.