Reality-Check

Es kann mitunter Essentiell sein, die “Vibes” eines Spiels, seines Umfeldes, der Zuschauer zu spüren. Am Fernseher wird man jedoch zum Autisten. Die Mikrorophone und Kameras von PREMIERE sind mitunter recht selektiv.

Bei irgendeinem Spiel vor 1-2 Wochen wurde ein Spieler ausgewechselt (Barbarez vor zwei Wochen?) und ich registrierte freundlichen Beifall, nochmal unterstützt durch die Aussage des Kommentators in eben diese Richtung.

Zwei Tage später schlage ich die Zeitung auf und lese von einem gellenden Pfeifkonzert.

An diesem Samstag war ich auf die Reaktion der Fans in der AOL-Arena gespannt. Die Kameras fingen eigentlich nur ein Plakat ein: “Klaus, hol uns hier raus!”. Auch sonst ein freundlicher Empfang für den HSV und Klaus Toppmöller. Auch diese Beobachtungen wurden von entsprechenden Bemerkungen des Kommentators Erich Laasers unterstützt.

Nun lese ich wiederum im Abendblatt, von einem Pfeifkonzert gegen Vorstandsvorsitzenden Hoffmann, der vor dem Spiel eine Erklärung verlas (kein Wort davon bei PREMIERE). Okay, den Mann kann man aufgrund seiner Außendarstellung auch unabhängig vom “Fall Jara” auspfeiffen. Weiter heißt es aber im Abendblatt: “Eindeutig auch die aufgehängten Plakate: ‘Danke, Kurt’, hieß es, ‘Vorstand raus’ und ‘Hoffmann und Beiersdorfer: Schämt Euch, Ihr Lügner’. “.

Davon fingen die PREMIERE-Kameras nix ein.

Auch das gehört zum “Erlebnis Fußball” das PREMIERE einfangen will, aber offensichtlich rausselektiert. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie vorsichtig man mit der Bewertung einiger Dinge sein sollte, da man immer nur einen Teilausschnit “der Wahrheit” sieht/hört/aufnimmt.

Rückzug aus Europa

Die US-CART-Serie hat gestern im australischen Surfers Paradise nicht nur einen neuen Meister, Paul Tracy, gekürt, sondern gab auch bekannt dass man sich im Rahmen eines “Relaunches” der Serie (im Dezember wird CART von neuen Besitzern übernommen) völlig auf den amerikanischen und patifischen Raum konzentrieren wird.

Keine Rennen mehr also im britischen Rockingham oder dem deutschen Lausitzring, zwei Strecken die just wegen der Champ-Cars einst als Oval angelegt worden sind.

Von Glieder und Tränen

Die Bilder des Tages kamen für mich aus Rostock. Nein, damit meine ich nicht die beiden Besoffenen, die angezogen über das Spielfeld flitzten (die Ossis haben halt keine Kultur).

Sondern der ach so coole Huub Stevens. Nach Spielschluß gab es freudig erregtes Ringelreihen mit Hochstirn-Hoeness und einem Dritten betreuer (Gehrke?), anschließend herzte er jeden Spieler einzelnd, während die Tränen nur so kullerten. Das war auf der nach obenen Pagelsdorf-Skala mindestens eine 9komma3.

Pagelsdorf stand wenigstens dazu, während Stevens auf der PK nach dem Spiel wieder anfing Journalisten zu verspeisen.

Das verstärkt mein Bild des “Mr. Huub und Dr. Stevens”, der Trainer mit den zwei Gesichtern. Es gab vor knapp zehn Tagen in irgendeiner Zeitung ein Portrait von Stevens. Kaum bekannt: Stevens ruft und schreibt desöfteren frisch entlassene Kollegen an und spendet Trost.

Irgendwie mag ich Stevens. Ein straighter Mann, keiner von dem man sich verarscht vorkommt, keiner mit linken Touren und kein Schwätzer (Halloooohoo Peteher Neuruhuherer??).

Und Toppmöller? Es ging. Das “ausgerechnet” Edi Gliederentes den Ausgleich macht, ist natürlich ein Schmunzelstück. Das Unentschieden geht auf die Kappe von Toppmöller, ist aber entschuldbar.

Toppmöller begann mit Hollerbach und Rahn auf der linken Seite. Ja, UND. Rahn für die Offensive einsetzen und jemand für die Absicherung hinten ranstellen. Schlicke als weiterer Turm in der Abwehr. Ansonsten eine konservative Aufstellung ohne große Experimente. Fast so, als müsse Toppmöller sich selber erstmal zurecht finden.

Der HSV hat nicht sonderlich kreativ, aber immerhin engagiert gespielt (um zwei Parade-Vokabeln der Sportjournalistik zu verwenden). Die zwei Tore-Führung war logische Konsequenz aus dem recht lendenlahmen Spiel der Knappen.

Toppmöller machte dann den Fehler Barbarez und Romeo auszuwechseln (ersteren allerdings verletzungsbedingt). Einer Mannschaft die im bisherigen Saisonverlauf nicht gerade durch Stabilität auffiel und nun langsam Selbstvertrauen gewann, wurde dadurch wieder durcheinandergewirbelt und durch Schalke in der Schlußviertelstunde an die Wand gespielt.

Wie nötig aber der Rausschmiß von Jara war, zeigten die eher positiven Reaktionen der Zuschauer. Barbarez wurde mit freundlichen Beifall verabschiedet und generell war die Unterstützung der Fans da. Fast als hätte man die Hoffnung das ein langer Alptraum nun zu Ende gehen würde.

Dekadenz in Düsseldorf

Ich zappe herum und sehe im “Ersten” den Skilanglauf-Weltcup, vor grauem Himmel und regnerischen Bedingungen. Ach ja: am Rhein-Ufer. Am Rhein-Ufer zu Düsseldorf.

Die Langläufer drehen ihre Runde auf einer zirka 23 Meter langen Kunstschneepiste, die ungefähr auf der Hälfte über eine Seifenkiste geht, die von Hans-Reinhard Scheu euphorisch als “Düsseldorf Mountain” bezeichnet wird.

Geht es nur mir so, dass dieses ein etwas kranken und dekadenten Eindruck macht?

Hey, Südlichter, reicht es nicht bei euch den Kunstschnee abzuspritzen? Schließlich schleppen wir aus dem Norden ja auch nicht ‘ne Badewanne runter und krajohlen irgendwas von wegen “Weltklasse-Rudern”.

Six Nations im DSF

DSF-Kommentator Andreas Renner lüftete eben das Geheimnis, dass das DSF nächstes Jahr die Übertragung einiger Spiele des Rugby-Sechs-Nationen-Turniers zeigen will.

Es handelt sich um das traditionelle Turnier der besten europäischen Rugby-Mannschaften England, Frankreich, Wales, Schottland, Irland und Italien. Die Nationen sind “fest”. Noch Ende des 19ten Jahrhunderts war es das “Vier-Nationen-Turnier”, ehe ab 1910 die Franzosen mit eingeladen wurden, und seit 2000 auch die Italiener mitspielen.

Es findet jedes Jahr, ab Mitte Februar statt. Jeder spielt einmal gegen jeden (also ohne Hin- und Rückspiel), ungefähr im 2Wochen-Turnus. Nach Abschluß der fünf Spieltage ist der Tabellenführer Sieger des Turniers, keine Play-Offs o.ä.

(PS: ich muss dem DSF Abbitte leisten: es gibt wirklich nur wenige interessante Spiele bei der Rugy-WM. Insofern war es vom DSF keine falsche Entscheidung so wenig Vorrunden-Spiele zu zeigen.)

Can’t stand the Heat, no more.

Pat Riley von den Miami Heat, ist in seiner Eigenschaft als Trainer zurückgetreten (nicht jedoch als “Team-Präsident”).

Der Zeitpunkt, wenige Tage vor Saisonstart, ist ziemlich überraschend für jedermann gewesen. Riley gibt als Grund an, ausgebrannt zu sein. Nachfolger wird sein Assistant Stan Van Gundy sein, Bruder von Jeff Van Gundy, dem ehemaligen Knicks-Coach und TV-Kommentator, der dieses Jahr die Rockets trainiert.

Riley ist auch denjenigen die die NBA nicht aufmerksam verfolgen, nicht unbekannt. Neben Phil Jackson dürfte er der bekannteste NBA-Coach sein. 21 Jahre lang trainierte er drei Vereine. Die Lakers führte er von 1981 bis 1990 zu vier Titelerfolgen, die Knicks coachte er 91-95 und anschließend die Miami Heat.

Riley kann man sehr gut mit Christoph Daum vergleichen, nicht umsonst ging Daum sehr gerne damit hausieren, dass er unendlich viele Inspiration aus Rileys Büchern gezogen hat. Riley ist nicht als genialer Taktiker oder Denker bekannt, sondern als bissiger Motivator, der aus seinen Leuten das letzte rausholen kann.

Bei den Lakers hatte er mit Kareem Abdul-Jabar und “Magic” Johnson zwei Ausnahmespieler und ließ dort einen sagenumwoben leichtfüßigen Ball spielen. Den Knicks hauchte er mit einem sehr physischen Spiel vier Jahre lang Leben ein, ehe die New-York-Franchise nach dem Abgang Rileys nur noch vor sich hin dämmerte. Nur bei den Miami Heat gelang es Riley nicht einen überzeugenden Neuanfang zu starten. Er machte zwar aus der dahinsiehenden Franchise wieder einen Playoff-Contender, aber, vielleicht nicht zuletzt aufgrund der Nieren-Probleme von Mourning, gelang Riley nicht der letzte Step auch in den Playoffs zu überzeugen.

Riley geht nun nicht nur weil er ausgebrannt ist, sondern, wie er sagt, nun ein weiterer Umbruch vollzogen ist, und Stan Van Gundy ein Haufen guter Talente hat, die das Team nach vorne bringen können.

PREMIERE-Sport am letzten Oktober-Wochenende

ManU – Fulham, Sa. 16h, LIVE
ManU, vollgepumpt mit Euphorie nach dem Championsleague-Sieg in Schottland, trifft auf die überraschend gut in die Saison gestarteten Jungs aus Fulham, die allerdings in den letzten zwei Wochen etwas unter die Räder gekommen sind, u.a. einen 2-Tore-Vorsprung gegen Newcastle verschenkt haben.

Das Spiel läuft LIVE um 16h als zusätzliche Option parallel zum Golf und wird im Anschluß an die Bundesligazusammenfassung, um 18h30 auf SPORT2 wiederholt.

Empoli – Chievo Verona, Sa. 20h30, LIVE
Ein eher bedeutungsloses Geplänkel aus der italienischen Liga.

Inter – AS Roma, So, 20h30, LIVE
AS Rom muss zusehen dass sie Anschluß an das Top-Duo aus Mailand und Turin halten. Inter muss nach dem Trainerwechsel erstmal wieder in die Gänge kommen.

Yankees – Marlins, Sa/So, 1h30, LIVE
Spiel 6 der Baseball-World-Series. Die blaßen Florida Marlins haben nun zwei “Matchbälle” gegen die Yankees, die nach drei Niederlagen in Folge nun sehr, sehr frustriert, fast depressiv, nach New York zurückkehren. Ein etwaiges Spiel 7 findet am So/Mo ebenfalls um 1h30 statt.

Baltimore Ravens – Denver Broncos, So., 19h00, LIVE
Zumindest eine akzeptable 19h-Partie. Baltimore ist in einer überraschend schwachen AFC North mit 3-3 Spitzenreiter, während die Broncos überraschend stark spielen, aber mit 5-2 in der AFC West zwei Spiele hinter den Chiefs hängen. Schlimmer sind die Verletzungsprobleme der Broncos, die nun dazuführen, dass sie nach Plummer und Beuerlein auf QB 3, Danny Kanell werden setzen müssen.

Beuerlein brach sich einen Finger der Wurfhand und wird für den Rest der Saison fehlen, Plummer wird noch mindestens zwei Wochen auf sich warten lassen.

Wir werden ein lauflastiges und von der Defense geprägtes Spiel sehen. Zwei unerfahrene QBs die alles dransetzen werden, Fehler zu vermeiden und konservativ spielen werden.
(CBS: Kevin Harlan, Randy Cross)

Indianapolis Colts – Houston Texans, So., 22h15, LIVE
Ein eher uninteressantes Spiel, dessen Reiz allenfalls darin besteht, dass es ein Divisionsduell ist und es für die Colts im Fernduell gegen die Titans wichtig ist, in der Division eine reine Weste zu behalten.
(CBS: Gus Johnson, Brent Jones, eher ein drittklassiges Kommentatoren-Team)

BuLi: der Charme des Morbiden

Hey, es ist Herbst, wir nähern uns Allerheiligen und Totensonntag. Warum sollten wir uns dieser Tage nicht ein bißchen am Elend anderer Leute erwärmen, zumal das Elend aus Punktverlusten oder sechs- bis siebenstelligen Abfindungen besteht.

Heute beginnt ein weiterer Bundesliga-Spieltag, mit größtenteils eher mauen Ansetzungen, wenn, ja, wenn die Begleitumstände nicht wären.
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