Konstante Bundesliga

Die Botschaften waren mitunter vollmundig. Aus München vernahm man nach der Hinrunde ein Bayern-“Wir haben gelernt”. Hoeneß deutete Änderungen in der Größenordnung quasi einer Kulturrevolution gleich an. Bei Hertha sollte alles besser zusammenmayern. Schalke strebt mit seinen Neueinkäufen ganz anderen Dimensionen entgegen. Beim 1FC Köln versucht man eine gut getimte Entlassung mit entsprechenden Stadion-Ausbau-Meilensteinen zu verknüpfen und so etwas wie Euphorie zu entfachen.

Andere wiederum machen einfach weiter. War was?
Beim BVB versucht man mit “Alles-geht-seinen-Gang”-Geiere Normalität vorzutäuschen. Werder will seinen Lauf beibehalten, Stuttgart mit frischer Kraft die schwächelnde Schlußphase der Hinrunde überwinden. Während Leverkusen mit der Unauffälligkeit eines U-Bootes mit den Dickschiffen an der Tabellenspitze mithalten will.

Ja, und was war denn nun?

Es ging weiter, als hätte es die Winterpause nicht gegeben.

Von neuer bayrischer Herrlichkeit keine Spur zu sehen. 11 wadenbeißende Frankfurter reichten trotz ungünstigster Bedingungen (0:1-Rückstand nach 25 Sekunden) aus, um die Bayern in hinrundlichen Starre-Zustand zurückfallen zu sehen. Ottmar Hitzfeld lief mit einem Gesichtsausdruck herum, aus dem aus allen Poren Freund Magengeschwür herauslachte. Als hätte es vier Wochen Training nicht gegeben. Das war so scary, dass Uli Hoeneß sich wahrscheinlich sofort nach Spielende hingesetzt hat und Finanzpläne für etwaiges Nicht-Erreichen der Championsleague ausgearbeitet hat.

Frankfurt kann dagegen Hoffnung schöpfen. Dieses fußballerische Nichts hat gegen “Le Meister” einen Punkt geholt. Man sollte meinen, das sollte reichen um at least drei Bundesligisten hinter sich zu lassen.

Werder und Stuttgart knüpften an ihre besseren Tage der Hinrunde an. Wobei auf dem zweiten Blick Stuttgart-Rostock die interessantere Partie gewesen ist. Bin ich der Einzige, der allmählich auf Stuttgart ein spielerisches Problem zurollen sieht? Die erfrischende, quirlige Naivität der letzten Saison, wich einer verblüffenden Kälte und Professionalität, die solange Spaß machte anzuschauen, so lange es noch neu war und das Schlagen von Mannschaften wie Bayern und ManU für Ahhh-und-Ohh sorgte.

Irgendwann sind Kredit und Sympathiebonus aber aufgebraucht und man möchte Spektakel sehen. Insbesondere wenn eine Mannschaft wie Rostock den Beton anrührt, ist kühles Auseinandernehmen zur Erlangung eines 1:0, bzw. 2:0-Sieges nur mäßig unterhaltsam. Noch ist es okay, nicht zuletzt dank des wahnsinnigen Hlebs , aber da tickt eine Zeitbombe und wenn der VfB weiterhin bei den Fans in Sachen Sympathien vor Bayern bleiben wollen, muss sich im Hinblick auf nächste Saison da etwas tun.

Bei Rostock verblüffte mich die Mauer-Taktik, nachdem Juri Schlünz seit Amtsantritt einen wunderbaren quicken Kick spielen ließ. Eine Folge der 0:3-Klatsche gegen Werder? To be continued…

Werder hat grandios aufgespielt. Die Gute-Laune-Bären der Liga, Ailton wird zum Mythos, die Standing-Ovations für kleines, dickes Ailton gänsehaut-erzeugend. Und irgendwie möchte man Mannschaften mit einem solchen Strahl gerne Meister werden sehen.

Zu Hertha dürfte in den letzten 24h alles geschrieben worden sein, was es zu sagen gilt. Nächste Woche ein Sonntags-Spiel gegen den VfB dürfte nicht wirklich eine freudvole Aussicht sein. Wenn Mayer Hertha heil aus dieser Geschichte bringt, ist er für mich Trainer des Jahres (neben Magath)

Neben Hertha dürften die Jungs aus den großen Traditionsvereinen im Ruhrpott, BVB und Schalke die Sorgenkinder sein.

Ich will für Schalke schwer hoffen, dass Heynckes derzeit nur das Fundament für die Zukunft legt und beizeiten noch mehr kommt, weil der Auftritt von Schalke beim BVB war, trotz des Sieges, e-l-e-n-d-i-g. Die Schere zwischen Auftritt auf dem Feld (das gezeigte war Passivität in Reinkultur) und Außendarstellung geht immer weiter auseinander. Die Einkäufe für die nächste Saison schüren die Erwartung. Da wird Heynckes noch einige Scheitel mehr drauflegen müssen, damit mehr als nur herausgewürgter Sieg gegen einen scheintoten Gegner herausspringt.

Der Auftritt des BVBs war indiskutabel. Sicherlich lassen sich alle Schwächen des Borussen-Auftritts gegen Schalke in inidividuelle Fehler aufdröseln. Aber unterm Strich bleibt die Masse der “unforced errors”, nicht zuletzt auch von namhaften Nationalspielern, die es so nicht geben darf.

Borussia konnte sich derzeit im oberen Tabellen-Drittel halten, weil zahlreiche Mannschaften (Wolfsburg, 1860) inkonstant spielen. Wenn aber Borussia so weiterspielt und die Mannschaften aus dem Tabellenende mit der Angst im Nacken anfangen Sieges-Serien hinzulegen, dann sind die zehn Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen ganz schnell weggeschmolzen.

Eine Runde Afrika

Die erste Runde im Afrika-Cup ist absolviert, alle Manschaften haben nun das Leder getreten.

Die Spiele stehen auf mittelmäßigen Niveau. Der Trend der “Europäisierung” setzt sich weiter fort, allerdings mit eher bescheidenen Resultaten, was die Theorie von mir und Michel Platini unterstreichen würde, das Afrikas Fußball nur dann erfolgreich ist, wenn sie sich ihrer Wurzeln besinnen.

Kein einziger Favorit vermochte zu überzeugen.
Tunesien spielte im Eröffnungsspiel ein wackeliges 2:1 gegen Ruanda heraus. Ruanda war eigentlich nicht wirklich gefährlich, aber als ihnen nach 32 Minuten durch einen schönen Freistoß der Ausgleich gelang, kam Tunesien ganz schwer ins Straucheln. Ruanda spielte plötzlich eine Viertelstunde lang Forechecking, provozierte 1:1-Situationen, versuchte sich an vermeidlich vergebliche Dribblings und brachte die Nordafrikaner damit schwer in Verlegenheit.

Senegals 0:0 gegen Burkina Faso kam ebenso uninspiriert wie Kameruns 1:1 gegen Algerien.

Erschreckend schwach präsentierte sich Nigerias Super Eagles, die 0:1 gegen die wohl allgemein unterschätzten Marokkaner unterlagen. Was Nigeria bot, war nur noch peinlich. Man hatte phasenweise den Eindruck, als würden sich in Nigerias Mannschaft zehn Christian Zieges oder Jörg Heinrichs befinden: wenn du den Ball hast, egal wo du stehst, drisch das Ding halb hoch in den Strafraum. Ein ums andere Mal kamen Mondbälle aus dem Halbfeld nach vorne angeflogen, als hätte es gegolten seinen Gegner zu Tode zu langweilen.

Jay-Jay Okocha erntet derzeit Traumkritiken in der Premiere-League (ist er nicht sogar zum Spieler des Monats gewählt worden?), blieb aber gegen Marokko sehr blaß. Er machte einen hilflosen Eindruck und zeigte fehlende Spritzigkeit. Das Bemühen hinter dem Ball hinterherzurennen war vorhanden, aber nicht mehr die Geschwindigkeit.

Südafrikas 2:0 gegen Benin mag wie ein standesgemäßer Sieg aussehen, aber zumindest für die in der ersten Halbzeit gezeigte Leistung, war das ein schmeichelhaftes Ergebnis.

Unterm Strich hat sich noch keine Mannschaft wirklich auszeichnen können. Zumindest Kamerun und Nigeria sind aber bereits nach dem ersten Spiel unter starken Druck.

14 von 15

Am Montag Byron Scott, nun Jim O’Brien. Anders als Scott, ist der Coach der Boston Celtics von sich aus zurückgetreten, wg. Meinungsverschiedenheiten mit dem “Manager” (oder “Director of basketball operations” wie es offiziell heißt) Danny Ainge.

Bis zum Rest der Saison wird Assistent John Carroll den headcoach-Posten übernehmen.

Damit haben seit Ende der letzten Saison 14 von 15 Teams der Eastern Conference, darunter alle sieben Teams der Atlantic Division mit Boston, ihren Trainer gewechselt.

Randnotiz: Ich habe nun das Spiel Mavs gegen Spurs gesehen. Nach einem wilden, wilden 3Punkte-Wurf-Shootout in der zweiten Halbzeit, von den Mavs gewonnen.

Die Mavs sind mit den Timberwolves das Team der Stunde, mit 9-1 Siegen aus den letzten 10 Spielen (9 Siege in Folge). Dallas nur noch drei Spiele hinter Minnesota, quasi gleichauf mit den Spurs. Von hinten rauscht Memphis heran. 8 Siege in Folge, 9-1-Bilanz.

Von den Spitzenteams haben derzeit die Nets und die Spurs Probleme, kommen nur auf 4-6 in den letzten Spielen.

Es bleibt dabei: es gibt ein Ost-West-Gefälle. Der Beste der Atlantiv Division, die Nets, mit .535, würde im Westen noch nicht mal in die Playoffs kommen (Denver: .553)

Firing Byron

Neue Entlassung im Osten: Byron Scott, Coach der New Jersey Nets (wir erwähnten sie kürzlich) wurde am Montag gefeuert. Nachfolger wird sein Assistent Lawrence Frank sein.

Seit Monaten, wenn nicht sogar seit Jahren, wird an Scotts Stuhl gesägt, obwohl er mit den Nets zwei Final-Einzüge schaffte und sie auch heuer auf Platz Eins in der East Conference hievte.

Aber all das konnte nicht das Gefühl einiger (vieler?) Beobachter ausmerzen, dass das Potential der Nets nicht voll ausgeschöpft wurde. Insbesondere der Abstand zu den hochklassigen Teams im Westen schmerzte sehr.

Nicht unwesentlich zu der Entlassung beigetragen, dürften das wiederholte Zündeln von Nets-Star Jason Kidd. Scott trug diverse Kampfansagen von Kidd gegen ihn persönlich mit Deh- und Langmut hin, was wiederum viele Beobachter als Schwäche des Coaches und der Organisation interpretierten.

Bohrt man etwas tiefer in den Kidd’schen Vorwürfen, treten zahlreiche Zweifel gegen die Arbeitsweise von Scott zu Tage, der schlecht die Spiele vorbereitete und auch nicht während der Spiele auf den Gegner reagierte. Die Zweifel sind so groß geworden, dass aus teaminternen Kreisen kolportiert wurde, Scott hätte jegliche Unterstützung aus dem Team verloren.

Aber die Art und Weise wie Kidd immer wieder Salven auf Scott feuerte, lassen auf das Beleidigt-Sein einer Diva schliessen, der von Vasallen und Kumpanen umgeben werden möchte. Die Situation eskalierte in den letzten Monaten, als Kidd angeblich im Sommer verlangte das Scott gefeuert wird und im Dezember Scott und Martin während des Spiels eine lautstarke Diskussion mit Scott hatten.

Nun kursieren auch wieder Gerüchte (von AP verbreitet), dass die Entlassung von Scott, einer Unterredung von Kidd mit dem Nets-Management am Samstag abend erfolgt sein soll, auf der Kidd ein “change in leadership” forderte.

Der Nachfolger Frank könnte ein solcher Mann sein. Gerade 33 Jahre alt, hat er null Erfahrung als Headcoach. Gut vorstellbar, dass er sehr “biegsam” und willfährig gegenüber Kidd ist. Auf der anderen Seite wird ihm gerade das Image des detailversessenen Freaks angeheftet, der, wenn obengenannte Zweifel stimmen, mehr Kompetenz und damit Autorität gegenüber dem Team zeigen könnte.

Es ist der 16te Trainerwechsel in der NBA seit Ende der letzten Saison. 13 dieser Trainerwechsel fanden in der 15 Teams umfassenden Eastern Conference statt…

Nachrichtenkompetenz

Noch Fragen wie es um die Zukunft von n-tv nach Übernahme der Mehrheit durch RTL aussieht?

Ab dieser Saison wird n-tv das Freie Training am Freitag live übertragen.

Klar, weil für einen Nachrichtensender essentiell ist. Für die Formel-1-Kompetenz wird die Kooperation mit RTL sorgen, es dräut also das Duo Valium Maximale Heiko Wasser und Christian Danner, wiewohl noch nicht explizit genannt.

Weitere Wiederholungen und Zusammenfassungen der Rennen werden in anderen Qualitätssendern wie Tele5 oder DSF zu sehen sein.

Der Zuschauer hat also die Wahl. Den Thrill Hungaroring entweder aus sechs Perspektiven oder in sechs Wiederholungen zu sehen.

Hornberger Schiessen

Die Probleme die ich mit meinem PowerBook zu Hause hatte, führten u.a. zum Totalverlust eines langen Artikels den ich Sonntag mittag geschrieben habe… u.a. dies erklärt das Schweigen in den letzten Tagen auf diesen Seiten, nun aber zurück gewohnten Programm

Sonntag mittag gab es im DSF den Doppelpass, die Fußball-Talkshow. Heuer mit dem Aufeinandertreffen von BVB-Präsident Niebaum und Journalist Freddie Röckenhaus, jener Mann der die Geschichte mit der Finanzkrise beim BVB ins Rollen brachte (während der Kicker nicht mehr nachsetzte).

Die Taktik von Niebaum war klar: Nebelkerzen zünden und Röckenhaus Fehler vorwerfen oder Gegendarstellungen von Petitessen betreiben. Und sie scheint, wenn man die Blicke über dem BVB-Schwatzgelb-Forum schweifen lässt, nicht ganz fehlgeschlagen zu sein.

Mich hat aber die Kiste noch mehr denn je davon überzeugt, dass der BVB enormen Problemen entgegensteuert und bestenfalls einen jahrelangen Ritt auf der finanziellen Rasierklinge reitet, schlimmstensfalls gegen die Wand fährt. Und wir reden hier über Summen, da kann dann auch die Stadt Dortmund nicht mehr mal kurz unter die Arme greifen.

Jeder Selbständiger in der New-Media-Branche wird die Sprüche und Ausreden von Niebaum kennen.

Beispiel: “wenn der BVB nicht mehr kreditwürdig wäre, würde niemand mehr eine Anleihe geben wollen.”

Die New-Economy und der Fall “Baulöwe” Schneider, zeigen dass Banken eben nicht die neutralen, über alle Interesse stehenden Institutionen sind, die als seriöser Beleg für die Kreditwürdigkeit gelten können. Remember wie Schneider es damals geschafft hat, den Banken im Falle eines Einkaufszentrums mehr Quadratmeter auszuweisen, als tatsächlich vorhanden war?

Beispiel: “Unsere Spieler sind xxx Mio Euro wert”
Was Herr Niebaum nicht sagt: wer hat die Spieler geschätzt? Wann wurden diese geschätzt? Auf welcher Datenbasis wurden der Wert geschätzt? Gilt der Wert auch dann noch, wenn Herr Abramovich/Chelsea nicht mehr das Portemonnaie öffnet?

Beispiel: “Wieso sollten wir die Gelder nicht an die Stadtbetriebe Dortmund zahlen, das sind noch Kleinstbeträge”?
Jeder Selbständige weiß wie es läuft. Es wird auf Zeit gespielt (im BVB-Jargon “Rechnung überprüft”). Und es sind gewöhnlich die kleinen oder freundschaftlich verbundenen Dienstleister die zuerst auf ihre Gelder warten müssen. Wenn ein großer Dienstleister warten müsste, würde das sofort als Gerücht in die Welt gesetzt werden, mit entsprechenden Konsequenzen für den Ruf.

Das Herr Niebaum auf Argumentationen solcher Güteklasse zurückgreifen muss, läßt bei mir alle Alarmsirenen schrillen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Niebaum den Behauptungen von Röckenhaus grundsätzlich nicht widersprochen hat, sich hingegen den Vorwurf gefallen lassen msus, selber mit der Unwahrheit an die Presse gegangen zu sein, z.B. mit der Behauptung dass man nicht von selbst auf Herrn Schächter wg. der Anleihe herangetreten sei.

Röckenhaus hätte in der Sendung seine Sache besser machen können. Das Niebaum z.B. die Frage ob 25Mio EUR Verlust im Quartal ausgewiesen werden würden, mit dem Argument der Ad-Hoc-Relevanz niederschlagen würde, war klar wie Klosbrühe. Aber Röckenhaus ist Journalist der schreibenden bzw. dokumentarfilmenden Zunft, und Schlagfertigkeit muss seine Sache nicht sein.

An anderer Stelle gibt es Neuigkeiten vom BVB: Warmuz ersetzt im Derby gegen Schalke Weidenfeller im Tor, wg. besserer Leistungen in den Vorbereitungsspielen. Man darf gespannt sein, ob der einst ambitioniert von Lautern gekommene Weidenfeller noch mal zurückkommt.

Um aber noch einmal auf das Thema der Finanzen zurückzukommen: ich frage mich die ganze Zeit was eigentlich in Schalke abgeht. Diese haben bereits eine Anleihe nach dem Schaechter-Modell aufgenommen. Auch angesichts der immer absurder werdenden Verpflichtungen (man glaubt es nicht, dass der gleiche Manager der sich nicht zu schade war Eddie Glieder zu holen, nun plötzlich seine Schatulle öffnet um Ailton, Bordon und Krstajic zu holen), sollten doch Journalisten eigentlich Witterung aufgenommen haben und sich mal die Zahlen von Schalke ansehen. Wie sieht es dort mit den Bilanzen aus? Und den finanziellen Verpflichtungen in den nächsten Jahren?

Brooklyn Nets?

Ist diesen Tagen ist ein Vertrag über den Verkauf der New Jersey Nets ausgehandelt worden. Demnach wird die Franchise für 300Mio US$ an die Stadtentwicklung Bruce C.Ratner gehen.

Der Verkauf hat landesweites Interesse geweckt, weil Ratner den Plan hat, die Nets 2008 nach Brooklyn umziehen zu lassen, dem New-Yorker-Arbeiterklasse-Stadtteil, das zuletzt bis 1957 mit den Brooklyn Dodgers einen identitätsstiftenden Sportverein hatte, nicht unähnlich den “Ruhrpottlern” BVB oder Schalke.

1957 zogen sie nach 68 Jahren in Brooklyn um, inmitten ihrer dominantesten Phase, als sie binnen einer Dekade achtmal eines der beiden besten Teams in der Liga waren. Sie bekabbelten sich ein ums andere Mal mit ihren Erzfeind, den New York Yankees, von denen sie ein ums andere Mal besiegt wurden. Als sich die Stadt New York aber 1957 weigerte, den Dodgers für einen Stadion-Neubau ein adäquates Gelände zur Verfügung zu stellen, zog der Besitzer mit den Dodgers nach Los Angeles um, um den Baseball-Sport erstmals auch in Kalifornien zu popularisieren.

Die neue 19.000 Zuschauer fassende Halle der Nets, vom bekannten Architekten Frank Gehry entworfen, soll auf historischen Terrain entstehen, jenem Platz der den Dodgers 1957 verweigert wurde und Kernstück einer wirtschaftlichen und sozialen Wiederbelebung des heruntergekommenen Brooklyns sein.

Umso pikanter, weil die Nets derzeit eine Art “Unternehmens-Gemeinschaft” mit… dem Erzfeind der Dodgers, den Yankees eingegangen sind, aus dem sie nun im Zuge des Verkaufes wieder herausgelöst werden.

Umzüge sind für die Nets nichts neues. Seit 1967, mit dem Namen der “New Jersey Americans” in der ABA startend, sind sie fünfmal in den Staaten New York und New Jersey umhergezogen, gehören aber in Sachen Zuschauermenge immer zu den unpopulärsten Teams, abgesehen von einer kurzen Zeit in der Mitte der Siebziger Jahre, als “Dr. J” Julius Erving.

Wie wird die New Yorker Anhängerschar reagieren, die bislang eher den Knicks zugewandt waren? Werden die Brooklyner zu den Nets überwechseln? Jenen Nets die, ähnlich wie Leverkusen oder Wolfsburg, immer noch den Geruch des artifziellen Teams haben? Auf der anderen Seite spielen die Nets derzeit den attraktiveren und erfolreicheren Basketball. Hmm. Bis 2008 ist es aber noch lange hin, und die Knicks haben gerade durch Trades, Trainer- und GM-Wechsel plus Siegesserie einen neuen Schub erhalten.

Für die Nets stehen nun wieder schwere Zeiten bevor, denn bis 2008 sind sie in den Meadowsland von New Jersey ein Team auf Abruf und werden sich von den eigenen Fans der Illoyalität zeihen lassen müssen. Auch in Brooklyn selber gibt es von einigen Grassroots-Bewegungen Gegenwind, die durch den Neubau den Verlust von Arbeits- und Wohnplätzen sehen und eine “Yuppisierung” des Stadtteils befürchten.

Vielleicht bemüht man sich aber mit den Nets schneller nach New York zurückzukehren, in dem man bereits in der nächsten Saison ins “Nassau Colliseum” wechselt (Madison Square Garden ist durch die Knicks schon belegt).

Eine weitere Unbekannte: wieviel staatliche bzw. städtische Zuschüsse braucht man, und bekommt man. Nachdem die Stadt New York gerade dabei ist für die New Jersey Nets ein Stadion in West-Manhattan hochzuziehen, ist die Bereitschaft wieder Geld locker zu machen, nicht sehr ausgeprägt.

Ein anderer Kollateralschaden dürfte die New Jersey Devils betreffen. Nets und Devils alleine waren schon nicht genug um die “Continental Arena” zu füllen. Die Devils mit dem 21t-besten Zuschauerschnitt der NHL werden nicht reichen.

Fußball-Ration am letzten Januar-Wochenende

Das vorerst letzte Bundesliga-lose Wochenende steht im Zeichen europäischer Cup-Wettbewerbe und des Afrika-Cups.

Als erstes, weil kurzfristig neu reingekommen, möchte ich auf das 16tel-Finale des franz. Cups hinweisen, welches auf EUROSPORT übertragen wird. Das hört sich zuerst nicht spektakulär an, aber wenn die Begegnung Olympique Marseille – Paris St.Germain lautet, dann sieht das schon anders aus. Das ist wie in Deutschland BVB gegen Bayern. Marseille als “Arbeitermannschaft” und der fanatischsten Anhängerschaft im Lande und seit kurzem wieder mit Fabien Barthez zwischen den Pfosten.

PSG dagegen, der Club der Neureichen, dank Sponsorengelder (Pay-TV-Sender Canal+ ist Mitteilhaber des Vereins) in den letzten 5, 7Jahren die dominante französische Mannschaft. In der Tabelle mögen Mannschaften wie Lyon und Monaco beiden den Rang abgelaufen haben. In der nationalen Fan-Gunst gibt es aber nur die zwei. Im wahrscheinlich mit 60.000 Zuschauer ausverkauften Rad-Stadion. Mehr und besser geht im französischen Fußball nicht.

Cup: Olympique Marseille – Paris St-Germain, Sa 17h00, EUROSPORT

Afrika-Cup

Am Samstag Eröffnungsfeier und Eröffnungsspiel des alle zwei Jahre stattfindenden Afrika-Cup-Turniers, heuer in Tunesien.

Um 19h30 die Eröffnungspartie Tunesien – Ruanda, Ruanda das erste Mal beim Turnier, am Sonntag um 19h das qualitativ wohl höherstehende Spiel zwischen Titelverteidiger Kamerun und Algerien, der Start also von Winnie Schäfer.

Dann gibt es auch die neuen Trikots der Kameruner zu sehen. Vor zwei Jahren trat man ja noch mit den sensationellen ärmelosen Trikots auf, die aber von der FIFA verboten wurden (Kamerun trickste und flanschte schwarze schultern an, die man den schwarzen Spielern nicht ansah). Nun kommt man mit Reißverschlüssen an den Schultern und “Löwenkrallen” auf Rippenhöhe, bleibt aber bei der körperbetonten Form.

Schäfer ist nicht der einzige bekannte Trainer. 8 europäische Trainer arbeiten bei Afrika-Cup-Teilnehmern, wobei Schäfer der einzige ist, der seit zwei Jahren dabei ist. Bekannt ist auch Tunesiens Roger Lemerre, einst bei der WM02 mit Titelverteidiger Frankreich spektakulär (erzielte Treffer: 0) gescheitert.

Kamerun gilt als Favorit, Nigeria, Ägypten und Tunesien werden ebenfalls recht häufig genannt.

Die Spiele werden auf EUROSPORT gezeigt, die Eröffnungsfeier hingegen ab 18h27 auf TV5, zeitversetzt, via Satellit und Kabel.

FA-Cup

Die englische Liga ruht wieder zugunsten des FA-Cups. Das DSF zeigt am Samstag um 13h25 die Begegnung zwischen dem Fünftligisten Scarborough und Chelsea.

Schade das man beim DSF seine Hoffnung auf einen raren Aussenseiter-Sieg setzt, statt hochklassigere Duelle zu zeigen, wie z.B. Liverpool – Newcastle oder Arsenal – Middlesborough

Serie A

Offen gesagt, zu der am Sonntag von PREMIERE übertragenen Begegnung Empoli – Juve (20h30), der eine Tabellen-16ter, die anderen Tabellen-2te, fällt mir nix interessantes ein.

Zweite Liga

Am Montag steigt die 2004er-Premiere der 2ten Liga mit der Wiederholung der Partie Alemannia Aachen – 1.FC Nürnberg. Die Partie muss aufgrund der Vorfälle (Wurfgeschoss gegen Coach Wolf) in einem leeren Stadion wiederholt werden.

Beide Mannschaften sind, punktgleich, Anwärter auf die Tabellenspitzen und absolvieren nun ihr erstes Spiel nach der Winterpause. Insbesondere die immer labil wirkenden Nürnberger brauchen einen guten Start um nicht wieder in eine elenden Niederlagenserien reinzufallen.

PREMIERE und DSF übertragen am Montag ab 20h.

Am Sonntag gibt es im DSF ab 11h übrigens die gewohnte Laber-Runde “Doppelpass“, die diesmal den BVB-Präsident Gerd Niebaum zu Gast haben wird. Anwesend soll auch Freddie Röckenhaus sein, jener Journalist der zu einem Gutteil die Sache in den Zeitungen ins Rollen brachte!

TV-Sport am Wochenende

Meine subjektive Auswahl fürs Wochenende:

Premier-League hat dieses Wochenende Pause; FA-Cup wird gespielt. Das DSF zeigt am Samstag um 13:25 Uhr live die Partie zwischen Chelsea und Scarborough (einem Viertligisten, nein Fünftligisten).

Eurosport überträgt 23 Partien des morgen beginnenden Afrika-Cups live. Um 19:30 Uhr geht’s los mit Tunesien – Ruanda. Sonntag dann: 19:00 Uhr Kamerun – Algerien Live und um 23:45 Uhr Zimbabwe – Ägypten zeitvers.

Premiere zeigt am Sonntag live ab 20:25 Uhr Empoli – Juv. Turin auf SPORT 2.

Ein Leckerlie zum Schluss: Am Sonntag ab 19:00 Uhr live die Dallas Mavericks gegen Sacramento Kings auf Premiere SPORT 1.

Weah und der andere Kampf

Morgen beginnt der Afrika-Cup mit dem entsprechenden Boohay im Vorfelde wie z.B. schlechtes Abschneiden Südafrikas in Testspielen, Grabenkämpfe im afrikanischen Fußballverband etc…

Die BBC lenkt die Aufmerksamkeit aber in eine andere Richtung. Der ehemalige Ausnahmestürmer George Weah mag vielen nicht so bekannt sein, spielte er in seinen besten Jahren in Frankreich (bei Monaco und PSG). Als er dann an die großen Töpfe rankam, beim AC Milan und Chelsea, hatte er bereits seinen Zenit überschritten. Und Liberias Nationalmannschaft war nicht stark genug um ihn in Nationen-Wettbewerben ins Rampenlicht zu hieven.

Aber George Weah war der bislang einzige Spieler, der es geschafft hat im gleichen Jahr Europas Fußballer des Jahres, Afrikas Fußballer des Jahres und FIFA Weltfußballer zu werden. 1995, in seinem letzten Jahr bei PSG.

George Weah, seit längerem karikativ tätig, ist nun mit einigem Brimaborium nach Liberia zurückgekehrt, inmitten eines fragilen Waffenstillstandes nach Jahren brutalstem Bürgerkrieg. Weah benützt seine Popularität um die sogenannten “Kinder-Soldaten”, zwölf-, vierzehnjährige Kinder die von den Kriegsparteien zu skrupeloen Soldaten umfunktioniert werden, dazu zu bringen die Waffen wegzulegen und wieder in die Schule zu gehen (siehe BBC).

Ich habe Jahren ein ARD-Feature (von Thomas Roth oder Patrick Leclerq, ich weiß es nicht mehr) über die Kindersoldaten im Bürgerkrieg von Mozambique gesehen. Die Grausamkeiten sind jenseits aller Vorstellungen. Die sog. “Rekrutierung” läuft immer nach dem gleichen Muster ab: Aufständische überfallen die Dörfer, sammeln die Kinder und zwingen sie mitunter ihre eigenen Eltern zu töten. In den folgenden Wochen werden die Kinder immer mehr an die Gewalt gewohnt. Sie haben keinerlei Werteskala mehr und sind völlig entwurzelt. Kurz: Sie haben keinerlei Hemmungen und sind somit ideale Soldaten fürKriegsparteien jeglicher Art.

Wer mehr Informationen will, kann bei der BBC nach “child soldiers” suchen lassen.
Child soldier use rises globall
Outrage over Tiger child soldiers
Liberian soldiers hand over gun