Das Jahr als in Deutschland der Basketball entdeckt wurde

Die Berichterstattung der US-Ligen hat in Deutschland heuer stark zugenommen. Keine Zeitung in der nicht täglich zumindest die Ergebnisse, wenn nicht sogar 1-2 Absätzchen über NBA oder NFL-Spiele publiziert würde.

Dass dann Redakteure dran sitzen, die nicht sehr viel mehr haben, als das was die nicht gerade kompetenzversprühenden Nachrichtenagenturen vermelden, macht die Sache nicht unputzig, siehe z.B. den Sportteil der “Netzeitung”

Zwei Siege der Lakers, sind eine Serie, drei Niederlagen der Mavericks eine Krise, nach vier verlorenen Spielen kann die Saison eh abgeschrieben werden. Bei 82 Spielen in der Regular Season…

Zitat aus der Netzeitung: “Die Los Angeles Lakers haben nach zuletzt drei Auswärtspleiten in Folge in der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA wieder ein Erfolgserlebnis verbucht.“. Headline: “Lakers können in NBA doch noch gewinnen

Nur zur Verdeutlichung: die drei Auswärtsniederlagen erstreckten sich über einen Zeitraum von sechs Spielen, alle drei Heimspiele wurden gewonnen, die Serie in diesem Zeitraum ist also beängstigende “3-3”. Die Lakers liegen mit 9-3 in der Western Conference mit drei Siege vorne. Aber “die Lakers können doch noch gewinnen“.

BTW: Erschreckend an der Niederlage in Detroit war was mit den Lakers los war, als Shaq auf die Bank musste, wg. frühem Foultrouble. Die Lakers verströmten die Autorität von feuchtem Toastbrot und auf der Centerposition, u.a. mit Horace Grant, ging ja gar nix mehr.

Von Fohlen und Schwaben

In der aktuellen ZEIT (48/03) gibt es einen exzellenten Artikel “Nach oben offen” von einem der besten deutschen Fußball-Schreiberlinge, Christoph Biermann.

In dem Artikel wärmt er den noch jungen Mythos von den “Jungen Wilden” beim VfB Stuttgart detailliert auf. Noch besser: en-passant schneidet er der Legendenbildung rund um Gladbach und den “jungen Fohlen” einige Zöpfe ab, Stichwort: “Bökelberg”.

Berti auf Normalmaß

Kann das sein, dass die Schotten gerade (34te Minute) etwas überfordert wirken und der Adrenalinspiegel von Minute zu Minute steigt? Die Frage ist nicht mehr ob Holland zur EM fährt, sondern mit wievielen Spielern die Schotten bei Abpfiff auf dem Platz stehen. Wer bietet weniger als neun?

Ach ja, liebe Holländer, dieses uniforme orange Zwangsjacken-Anziehen und rythmische Fahnengewedel, kann es sein, dass es so ein ganz klein bißchen fascho wirkt?

Gerade fällt das 3:0, Berti ist gerade auf seine üblichen 1m55 geschrumpft.

Trouble around Johnson

Keyshawn Johnson, profilierter WR zuerst der Jets und seit 2-3Jahren bei den Tampa Bay Buccuneers, ist quasi-suspendiert worden, wurde “deactivate”, d.h. auf eine spezielle Liste gesetzt und in Folge den Rest der Saison nicht mehr in der NFL spielen können.

Als ich die Meldung gestern kurz überflog, dachte ich, es würde sich um eine Verletzung handeln, aber inzwischen ist klar dass es sich um eine disziplinarische Maßnahme handelt. Wie Buccs-GM McKay erklärt, ging Johnson der mannschaft auf den Sack, nicht nur vor 5wochen laut und deutlich erklärt zu haben, dass dieses sein letztes Jahr bei den Buccs werden wird, sondern entsprechend auch Meetings des Teams geschwänzt zu haben. Nicht klar wird aus dem Statement, wer diesen Schritt initiierte, McKay oder Headcoach “Chucky” Gruden. Die Art und Weise wie Gruden dieser Frage aber ausgewichen ist, deutet auf auf ihn. Johnson selber spekuliert inzwischen in Interviews, das ihn Gruden schon die ganze Saison über geshcnitten hat.

Johnson wurde nicht entlassen, um für ihn nächstes Jahr noch eine “Compensation” im Rahmen eines “Trades” zu bekommen. Johnson hat darüberhinaus auch Hausverbot auf der Buccs-Trainingsanlage bekommen.

Johnson besitzt neben Owens das größte Receiver-Ego. War er bei den Jets Anspielstation für Big-Plays, wurde er bei den Buccs zum “Arbeitstier” für viele kurze Pässe, auch in die Mitte rein, dort wo es “weh tut”.

Johnson macht sich schon bei den Jets unbeliebt, als er nach seinem 2ten oder 3ten Jahr eine “Biographie” veröffentlichte und über Teaminterna plauderte und Mannschafts-Kollegen wie Chrebet beleidigte.

Morgiger Sommer-Fußball

Morgen gibt es wieder einen Dreier-Pack südamerikanischer WM-Qualifikationsspiele auf PREMIERE.

Um 22h25 Ecuador – Peru. Peru hat vor heimischer Kulisse ein starkes 1:1 gegen Brasilien abgeliefert. Mannschaftlich geschlossen, spielerisch fit, aber mit konditionellen Problemen behaftet. Peru war die Mannschaft am Wochenende, die mir am meisten Spaß gemacht hat.

0h45: Brasilien – Uruguay. Brasilien glaubte in Peru das Spiel mit starken zehn Minuten über die Runden zu bringen. Als Peru den Ausgleich schoß, hat es aber lange, lange gedauert bis man aus dem Trott herauskam. Rivaldo hat eine allenfalls von Valium inspirierte Leistung abgeliefert. Ronaldo ackerte mehr als man es gewohnt ist, aber mit dem Rettungsring um den Bauch sieht es immer putzig aus. Und Ze Robertos Leistung glich seiner bei Bayern in den letzten Wochen: Griff ins Klo. Die Uruguayos blieben gegen Chile farblos, waren aber zumindest nicht mehr die Blutgrätscher wie wir sie von der WM kennen.

2h55: Kolumbien – Argentinien Die Argentinier haben das Spiel gegen Bolivien nicht wirklich in den Griff bekommen. Mühten sich redlich, aber es brauchte ein Freistoß-Tor von D’Alessandro um die Schleusen zu öffnen. Kolumbien gilt wohl als einzige Enttäuschung.

War da noch was? Ach ja. Oranjes gegen Berti. Bei aller Verfechtung des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, bei einer Übertragung von Holland – Schottland gehen mir alle Argumente bzgl. “Grundversorgung” flöten.

Anyway. Bei den Holländern kracht es mal wieder. Kluivert mault mal wieder rum, obwohl er am Samstag ein Totalausfall war und sogar ein Makaay besser im Spiel eingebunden war (schwer zu glauben, aber so war es…). Medien schiessen Advocaat sturmreif und fordern dass die Spieler das Ruder übernehmen. Ich für meinen Teil, halte es für recht unwahrscheinlich, dass die Schotten ein mageres 1:0 in Holland über die Zeit retten können. Wow, wenn es denen wirklich gelingt, dann wird es in Holland Zeit für einen Massenrücktritt.

Flash bekommen?

Nun auch in der Türkei (z.B. bei der U21-EM-Quali), nach Spanien: die LED-Werbebanden auf denen während der Spiele permanent Animationen und Lichtblitze ablaufen.

Okay, als Zuschauer geht es mir schon schwer auf den Sack. Aber es kann mir keiner erzählen, dass es keinen Fußballer beeinflußt, wenn er aus dem Augenwinkel (Stichwort “peripheres Sehen”) andauernd Bewegungen bemerkt. “Hey, hat da Henry den Sprint angezogen? Ach nein, es war nur die letzte McDonalds-Werbung“.

Besser im Bett geblieben

Es hat knapp zwanzig Minuten gedauert, nachdem der Wecker mich um drei rausgeklingelt hat, als ich das Aufstehen bereute und mich wieder hinlegen wollte. Es war ungefähr die 3, 4te Spielminute, als Niners QB Rattay auf WR Owens wirft und Owens Steelers Corner Chad Scott einfach davon rennt. Einfach straight, ohne Haken, ohne Check, nix. Eine simple Post-Route. Und trotzdem zwei Meter Vorsprung vor Scott.

Das Theater von Owens, das Tanzen, das zeigen auf sein Schweißband mit der Aufschrift “The Answer” verstärkt meine Würgreize. Montoya wechselt zu McLaren. Kein guter Sporttag, ich sollte wieder ins Bett gehen. Bettis wird gerade zwei Yards hinter der Scrimmage-Line getacklet. Ich sollte mich gleich erschiessen.

Fuss-Massage

Ich bin mit dem Mann heute nacht zu Bett gegangen und heute nachmittag…, na ja, ich bin schon etwas länger aufgestanden, aber heute nachmittag ist er wieder bei der Arbeit. Zeit für eine längst überfällige Lobpreisung von Wolff-Christoph Fuss, der sich mit Marcel Reif einen heißen Kampf um den Fußballkommentatoren-Thron liefert.

Marcel Reif scheint in die Jahre zu kommen oder derzeit etwas zu schwächeln, die Kommentierung von Bayern – BVB war jedesfalls “subpar”. Eine Art Altersstarrsinn macht sich bemerkbar, auf eine einmal gefasste Meinung zu beharren. Und da können vier Zeitlupen die quicke Analyse “Das war Foul” widersprechen, momentan lässt sich ein Reif dadurch nicht beirren.

Vier Merkmale zeichnen einen guten Kommentator aus: 1. Emotionen, 2 Analyse von Mannschaft und Spieler, 3. Gefühl für den Spielverlauf entwickeln (“Das Spiel droht zu entgleiten“), 4. Sprache.

Wolff-Christoph Fuss, nicht zu verwechseln mit Bruder Carsten Fuss, kommentierte bei PREMIERE vorallen die Premiere League und Bundesliga-/ChampLiga-Konferenz, wird in dieser Saison verstärkt für die Serie A eingesetzt.

Fuss ist keiner der das Wortspiel pflegt, er wird nicht für Pointen und Lacher sorgen, wie ein gut aufgelegter Reif. Wo ein Reif auch häufiger über den “Fußballplatz” genannten Tellerrand rüberschaut, konzentriert sich ein Fuss ganz auf das Spielgeschehen.

Wo Reif wie romanischer Fußball ist, ist Fuss schnell, direkt und schnörkellos wie englischer Fussball.

Fuss ist sehr gut vorbereitet. Man hört ihn um drei Uhr nachts live über den Zustand des bolivianischen Fußballs sprechen, und vierzehn Stunden später über Schwächen und Stärken dänischer Einwechselspieler.

Und wo Fuss dann wirklich das Haus rockt, wie kein, ich wiederhole, KEIN anderer deutscher Fußballkommentator vor ihm, dass ist das “Mitgehen”, die Emotionen. Der Mann kann schreien. Nicht besinnungslos und unpassend, sondern angemessen. Er zelibriert keine sprachliche La-Ola wenn Bayern gerade sieben-zu-null in Führung gegangen ist, aber wenn in einem rasanten Spiel in der 88ten Minute der Torwart den Ball durch die Hände zum entschiedenden Treffer ins Tor gleiten läßt, dann bringt der Mann den Verstärker zum Brennen.

Das einzige was ihm zum Reif fehlt, sind “First-Class-Spiele”. Erste Handlung: der Mann gehört nicht zu der Serie A, sondern zu der Premiere League. Er ist einfach “the voice” für diese Art von Spiele (ich kann mich auch nicht des Eindruckes erwehren, dass der Mann fünfmal am Tag den Gebetsteppich gen Großbritannien ausrollt und dem Insel-Fußball huldigt).

Zweite Handlung: in Bundesliga und Championsleague den Mann nicht in der Konferenz verstecken. Die Qualitäten eines Hansi Küppers, Patrick Wasserziers oder Fritz von Thurn und Taxis, die i.d.R. die prominentesten Spiele hinter Reif zum Kommentieren bekommen, die hat er schon allemal erreicht.

Kostprobe von Wolff Fuss: Kommentierung des 0:2 bei einem Kellerduell der Premiere League (MP3, 45sec, ca. 250k)

NFL-Roundup vor Woche 11/2003

Der elfte Spieltag bietet, bis auf Duell der Buccs und Packers, keine wirkliche Begegnung die einem schon wochenlang vorher das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Aber die Spiele die es heute auf PREMIERE zu sehen gibt, haben ihren Reiz.

Cincinnati Bengals – Kansas City Chiefs

So., 19h, CBS-Kommentatoren: Kevin Harlan, Randy Cross

Die 9-0 Chiefs treffen auf die einstige Witzfigur der NFL, die Cincinnati Bengals (4-5), die unter dem neuen Headcoach, dem Defense-Guru Marv Lewis, ernsthafte Lebenszeichen von sich geben. Entsprechend wird viel Aufhebens landesweit um die Partie gemacht, für “MemphisBengal” von Sportsfrog das klare Anzeichen dass die Bengals vor einer schweren Packung stehen.

Die Partie ist aber für den Ausgang der AFC North durchaus wichtig. Die Division ist so schwach, das wahrscheinlich nur der Divisionssieg für die Playoffs reichen wird. Baltimore liegt zwar mit 5-4 vorne, hat aber ein nicht ganz einfaches Restprogramm, einen Starting-QB der möglicherweise für den Rest der Saison ausfällt (Boller wird nicht durch Redman sondern dem agileren 3rd-Stringer ersetzt!) und eine schwache Bilanz gegen Gegner aus der eigenen Division (1-2).

Die Bengals liegen nur ein Spiel dahinter und haben einen Lauf. Marv Lewis hat eines der größten Probleme bereits umschifft und den egomanischen RB Corey Dillon in seine Schranken verwiesen. Dillon ist in Cincinnati nur noch an zweiter Stelle der Depth Chart gesetzt, ohne dass es die Bengals geschadet hätte.

Das Rezept der Bengals kann nur eines sein: stoppt die Offense der Chiefs. Diese stellt einen gelungenen Mix aus Pässen und Läufen dar. Möglicherweise werden die Chiefs umstellen müssen, da WR Johnnie Morton möglicherweise wegen einer Leistenverletzung ausfällt.
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Respekt vor D’Alessandro

Gerademal 22 Jahre alt, angeblich 1m74 groß und 68kg schwer: Andres Nicolas D’Allessandro. Seit 2-3 Wochen verstärkt in der Bundesliga auf dem Radar aufgetaucht seit er so gut mit Klimowicz beim VfL Wolfsburg spielt.

Was aber wirklich mir Respekt abnötigte, war seine Leistung gestern beim WM-Qualifikationsspiel des Argentiniers gegen Bolivien. Die Argentinier schienen sich die Zähne an der bolivianischen Abwehr auszubeissen, ehe D’Allessandro einen fabulösen Freistoß versenkte.

Auffällig war aber dass das Spiel der Argentinier bereits vor dem Tor immer mehr weg von den wesentlich routinierteren Aimar zu D’Alessandro hinschwenkte. D’Alessandro gelang zwar nicht alles, mühte sich aber redlich.

Argentinien gewann dann nach dem schweren ersten Tor recht leicht und locker doch noch 3:0, aber der Spielaufbau war nicht überzeugend, Veron schien an allen Ecken und Kanten vermisst zu werden.

Aber dafür dass es für den 22jährigen D’Alessandro erst das 5te Länderspiel war, war des recht beeindruckend.